Allgemein Equipment Testberichte

SDRplay – Breitbandempfänger der neuen Generation

Seit einigen Monaten gibt es zwei, aus meiner Sicht, besonders interessante SDR, die sich zwischen den sehr günstigen RTL-SDR und den hochwertigen SDR, welche hauptsächlich auf der Kurzwelle zuhause sind, angesiedelt haben. Über den Airspy habe ich bereits etwas geschrieben, jetzt wurde mir vom Hersteller ein SDRplay zum Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für diese tolle Gelegenheit!
Ich will in diesem Beitrag erstmal grob etwas zum SDRplay berichten, um dann in einem zweiten Beitrag SDRplay und Airspy etwas genauer zu vergleichen. Sollten also konkrete Fragen auftauchen, gerne in die Kommentare damit, dann kann ich mich damit genauer auseinander setzen.

Empfang der CW-Bake von Horyu-2, bei einer Sendeleistung von 1 Watt!
Empfang der CW-Bake von Horyu-2, bei einer Sendeleistung von 1 Watt!

Erstmals aufgefallen ist mir der SDRplay, welcher auch mit dem Namen Radio Spectrum Processor (RSP) beworben wird, durch sein gut gemachtes Marketing, was ihm auch ein wenig den Ruf von Vapour Ware einbrachte. Aber seit es das Gerät zu kaufen gibt, dürfte sich das wohl erledigt haben und es bleibt ein absolut interessanter Empfänger, den man sich mal ansehen sollte, wenn man ein Upgrade zum RTL-SDR in Erwägung zieht.
Bezogen werden kann der SDRplay direkt beim Hersteller in Großbritannien, es wird also keine Einfuhrumsatzsteuer fällig und unter normalen Umständen liegt das gute Stück innerhalb von wenigen Tagen im Briefkasten.

Grundlegende Eigenschaften

Verpackt ist unser Empfänger in einem Kunststoffgehäuse, welches ein ganzes Eck größer ist, als das Gehäuse des Airspy. An Anschlüssen findet sich eine USB-B-Buchse sowie ein SMA-Anschluss für die Antenne am Gerät. Wenn ich mich recht erinnere, waren die ersten Modelle noch mit einer F-Buchse ausgestattet, meiner Meinung nach hat man hier die richtige Entscheidung getroffen, auf SMA zu wechseln.

SDRplay und Airspy im Größenvergleich
SDRplay und Airspy im Größenvergleich

Der Frequenzbereich des SDRplay startet bereits bei 0,1 MHz und geht bis 2 GHz, wobei der Wermutstropfen eine Lücke zwischen 380 und 430 MHz ist. Mein Exemplar war in der Lage, auch etwas unterhalb von 430 MHz noch zu funktionieren. Vor ein paar Tagen wurde ein neuer Treiber veröffentlicht, welcher die Lücke schließen sollte und aus meiner Sicht den größten Kritikpunkt beseitigt. Soweit die Theorie. Nach der Installation zeigte sich tatsächlich ein verändertes Verhalten des Tuners im genannten Bereich, jedoch hatte ich eine Menge Geistersignale, die im entsprechenden Bereich definitiv nichts zu suchen hatten. Hier sollte man also abwarten, sofern einem Funkdienste in diesem Bereich besonders wichtig sind.
Dafür hat der SDRplay den riesigen Vorteil, die Kurzwelle komplett abzudecken. Aus meiner Sicht wäre es noch wünschenswert gewesen, einen zusätzlichen Antennenanschluss für den Bereich bis 30 MHz zu verbauen. Aber es ist natürlich auch eine Frage, welches Antennenkonzept man verfolgt, so kann ich mir auch gut das Zusammenspiel der SDR mit breitbandigen Aktivantennen vorstellen. Außerdem lässt sich der Weg von der Antenne zum Empfänger ja bekanntlich auch mittels externem Diplexer, Verteilermatrix und Umschaltern beeinflussen, womit nicht der Preis für den eigentlichen Empfänger in die Höhe getrieben wird.

Telemetriesignal des Funcube (AO-73) empfangen mit dem SDRplay
Telemetriesignal des Funcube (AO-73) empfangen mit dem SDRplay

Ansonsten bietet der SDRplay im Eingang entsprechende Filter, um die weiteren Bauteile von Störungen zu entlasten. Ein 12 Bit A/D-Wandler sollte für einen höheren Dynamikumfang sorgen, als es bei den RTL-SDR der Fall ist.
Wer sich für die genauen technischen Details interessiert, dem sei die Dokumentation auf der Seite des Herstellers empfohlen, dort gibt es einiges an Lesestoff: sdrplay.com

Installation

Der SDRplay läuft nicht ganz aus der Box heraus, aber die Installation ist sehr einfach und gut dokumentiert. Für die Verwendung mit SDR# hat der Hersteller ein entsprechendes Tutorial veröffentlicht: sdrplay.com SDR# Anleitung
Hat alles geklappt, öffnet Ihr ganz normal euer SDR# und wählt den SDRplay aus. Das Fenster der Konfiguration sieht schon mal deutlich aus, als man es von RTL-SDR und dem Airspy gewohnt ist, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Auch die Logik hinter der Konfiguration ist etwas anders.
Über den Regler LNA Trip Treshold regelt Ihr, ab welchem Pegel der LNA am Empfängereingang sich ein- oder ausschaltet.
Frequency Trim korrigiert die Empfangsfrequenz, wie wir es schon mit der PPM Correction des RTL-SDR gewohnt sind.

Erste Praxiserfahrung

Ich hoffe, dass ich die Erwartungen nicht allzu sehr enttäusche, aber ich tue mir etwas schwer, die Leistung des SDRplay einzuordnen. Das liegt gar nicht mal daran, dass der SDRplay ein schlechter Empfänger ist oder ich mit RTL-SDR oder Airspy etwas empfange, was ich mit dem SDRplay nicht empfange. Ich habe eher das Problem, dass man sich erstmal mit den Eigenschaften eines Empfängers beschäftigen muss, um ihm auch gerecht zu werden.
Egal, um welchen SDR der drei oben genannten es sich handelt, jeder hat so seine Eigenheiten und diverse Konfigurationsmöglichkeiten innerhalb der Software. Um also dem jeweiligen Empfänger gerecht zu werden, muss man sich einfach eingehend damit beschäftigen und individuelle Einstellungen treffen, die das beste Signal/Rauschverhältnis liefert. Das wiederrum ist natürlich von der Antenne, der gewählten Software und letztlich auch von den Störquellen in der Umgebung abhängig. Im Bereich der Fensterdurchführung meiner Antenne sitzt unglücklicherweise auch mein Router und das NAS, dessen Netzteil eine fiese breitbandige Störung im Bereich des 2m-Bands verursacht. So habe ich bei ansonsten ungefähr -75 dBm einpegelten Grundrauschen bei eingeschaltetem Netzteil ein Grundrauschen bis -50 dBm, und das bei allen drei genannten SDR.

Aber das soll einen ersten Bericht nicht trüben. Erstmal die gute Nachricht, ich hatte kein Signal, welches ich mit dem Airspy problemlos empfangen konnte und mit dem SDRplay so überhaupt nicht lesbar war. Alles andere wäre aber auch wirklich eine Überraschung gewesen. Konkrete Unterschiede zwischen beiden Empfängern benötigen aber doch etwas mehr Einarbeitung und Beschäftigung, sodass ich hier einen verlässlichen Vergleich wirklich in einen späteren Beitrag verschieben will, um beiden Konzepten auch gerecht zu werden.

In meiner jetzigen Konfiguration wechsel ich zwischen einer Lambdahalbe-Antenne für 2m und 70cm sowie einer Empfangsantenne von RFSystems für die Kurzwelle. Letztere spielt auch auf 6m noch erstaunlich gut und macht bei sommerlichen Bedingungen richtig Spaß. Für mich war bisher 6m ein Band, welches ich überhaupt nicht beachtet habe, aber der SDRplay mach sich dort echt gut!

Empfang von IT9CFP auf 6m, immerhin ca. 1500 km Distanz mit bescheidener Ausrüstung!
Empfang von IT9CFP auf 6m, immerhin ca. 1500 km Distanz mit bescheidener Ausrüstung!

Natürlich ist mit dem SDRplay alles möglich, was wir auch bisher von den RTL-SDR gewohnt sind. Gerade wenn man hinsichtlich Antennen improvisieren muss und auch nicht gerade mit geringem lokalem QRM gesegnet ist, bieten sich da die digitalen Betriebsarten an.

Empfang von JT65 im 6m Band mit dem SDRplay
Empfang von JT65 im 6m Band mit dem SDRplay

Aus meiner Sicht wenig brauchbar sind die RTL-SDR auf 10m und darunter, auch wenn der Bereich nominell abgedeckt wird. Ich habe dort regelmäßig irgendwelche Stationen aus dem UKW-Rundfunkbereich, die dort definitiv nicht senden. Mit dem SDRplay ist das nicht der Fall und so hat man ne Menge Spaß auf diesen Frequenzen.

10m Band bei relativ guten Bedingungen, Signal eines OM aus Kroatien im Bild.
10m Band bei relativ guten Bedingungen, Signal eines OM aus Kroatien im Bild.

Fazit

Man kann über vieles diskutieren. Zum Beispiel, ob ein Kunststoffgehäuse für einen Empfänger ideal ist, oder ob jetzt eingebaute Tracking-Filter oder zusätzliche Bandpässe bessere Empfangsergebnisse liefern. Aber man sollte sich bewusst sein, dass wir derzeit faszinierende Empfänger für wirklich kleines Geld kaufen können. Der SDRplay ist einer davon, mit einem Empfangsbereich, der so ziemlich alles abdeckt, was den potentiellen (Empfangs-) Amateur so interessieren kann. Für den Preis des Geräts kann man eigentlich nichts falsch machen, also von meiner Seite aus eine klare Kaufempfehlung!

SDRplay im Portabel-Betrieb
SDRplay im Portabel-Betrieb

Wie oben schon geschrieben, es gibt demnächst noch einen Vergleich zwischen RTL-SDR, Airspy und dem SDRplay, also man darf gespannt sein. Gibt es bestimmte Fragen oder Wünsche dazu? Dann freue ich mich über Kommentare hier im Blog, bei Facebook oder Twitter!

über

Drückt sich seit Jahren vor der Lizenz, aber 2016 soll es endlich soweit sein. Besondere Interessen sind die Frequenzen oberhalb von 30 MHz und digitale Betriebsarten, dort hauptsächlich mit dem RTL-SDR unterwegs. Wenn Funk gerade eine geringere Rolle spielt, dann mit dem Rad oder zu Fuß in der Natur unterwegs und dem Fotoapparat im Schlepptau. Mehr auf Twitter: @kermit_t_f

13 Kommentare zu “SDRplay – Breitbandempfänger der neuen Generation

  1. Hallo Jan… das klingt ja schonmal spannend… Ich fuchse mich momentan ein wenig durch die Android-Lösungen für SDR mit dem simplen RtlSdr. Daher würde mich da interessieren wie sich die hier vorgestellten damit verhalten. Momentan geht meine Tendenz ja noch zu DxPatrol.. preislich gut. seperate Antenne für Kw und UHF… Metalgehäuse etc.. Wäre bei deinem Vergleich dann ja auch nicht uninteressant. Beste Grüsse

  2. Ekki (DF4OR)

    Hi Ja, danke für den Test.
    MIch würde ein direkter A/B Vergleich interessieren. Also beide SDRs (RTL/SDRplay oder andere Kombinationen) zu gleicher Zeit an der gleichen Antenne. Und dann mit zwei Instanzen des gleichen Programms vergleichen wie der Empfang ist…

    73,
    Ekki, DF4OR

  3. Hallo,

    mich würde mal interessieren, wie es zusammen mit Ubuntu läuft.

    Hast du da Erfahrungen, oder könntest das mal ausprobieren?

    vy 73 Joshua DC7IA

    • Hi Joshua,

      ich habe gnuradio und gqrx kompiliert. Hatte mit dem SDRplay und GQRX bisher keinen brauchbaren Ergebnisse.

      Habe dann versucht das SDRplay an meine Windows 7 VM durchzuschleifen, damit ich mit SDR# und HDSDR arbeiten kann. Das ging leider auch nicht aufgrund von irgendwelchen Treiberproblemen.

      Letztendlich nutze ich nun erstmal meinen Laptop mit Dualboot.

      @Jan wie sieht es bei dir aus? Hast du was abseits von Windows probiert?

      73 de Silvio

  4. Danke für das Feedback an alle!
    @Michael: Der Hersteller bietet ja eine API für den SDRplay für Android an, aber listet keine App, die das bisher unterstützt. Ich wüsste auch spontan nichts in der Richtung, bin aber auch nicht so arg tief im Thema drin, da mich auch die bisherigen Lösungen für SDR auf Android nicht wirklich begeistert haben. Der DXpatrol ist natürlich nochmal etwas günstiger und hat den Vorteil, kompatibel mit allen RTL-SDR-Geschichten zu sein. Dafür muss man mit den eingeschränkten Möglichkeiten des RTL-SDR leben. Silvio hat hier im Blog ja schon mal vom DXpatrol berichtet, das klingt durchaus gut und ist einen Blick wert!

    @Ekki: Genau das ist geplant, aber leider sehr (zeit-) aufwändig. Aber ich will versuchen, dass so umzusetzen und vielleicht auch noch den RTL-SDR in den Vergleich zu integrieren, damit man die Unterschiede zwischen den Systemen erkennt. Aber wie gesagt, echt eine relativ komplizierte Geschichte, zumal ich mir nochmal einen entsprechenden Splitter auf dem Gebrauchtmarkt oder so besorgen wollte.

    @Joshua: Ich habe eben mal probiert, es in Debian auf die Schnelle zu testen, aber hänge noch etwas in der Luft. Allerdings sind meine Linux-Kenntnisse auch nicht die besten und ich bin froh, das Terminal zu finden 😉 Ich bin da noch dran und werde berichten!

  5. Die Frequenzlücke bei 380MHz …430MHz gibt es schon seit längerer Zeit nicht mehr.

  6. Pingback: SDRplay – Breitbandempfänger der neuen Generation | dxradio.de

  7. Recht viele Worte um auszudrücken, dass man sich nicht traut erste Eindrücke auch auszudrücken. So ein Weichwarenradio ist doch kein Pickel! 😉

    Ich möchte mal anmerken dass Tests, Beurteilungen und Vergleiche von Radios inmitten des selbstgemachten und mitgenossenen Störnebels mit ziemlicher Vorsicht zu geniessen sind. Gerade im Fall der bekanntermassen sehr von Geistersignalen geplagten RTL-SDRs kann man darin kaum noch aussagekräftige Vergleiche ziehen, so die Signale denn nicht gerade aus UKW-Programm auf der MIttelwelle bestehen. Wie soll man Empfindlichkeit oder Signalaufbereitung bei schwachen Signalen beurteilen, wenn der externe Störpegel das SNR bei jedem Empfänger gleich schlecht macht?

    Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, z.B. in eine elektrisch ruhige Gegend fahren und das Zeug auf der Wiese oder am Strand testen.

    • Moin aus Hannover,
      Ich habe mir das “SDRPlay” aktuell zugelegt. Angefangen mit der Technik habe ich etwa 2005 mit dem ersten Elektor-SDR, dann den zweiten in der verbesserten Version und so weiter. Natürlich auch den Schrott mit dem RTL-Chip (hier Noxon). Allerdings kenne ich auch solche Sachen wie Perseus oder Elad. Aber selten habe ich solch seltsame Kommentare wie diesen letzten gehöhrt. Mann, wenn Du weist, wie es am Besten geht, dann rede nocht rum, sondern helf mit !!

      Also: Ich habe mit meinem Meßplatz (Systron-Donner plus Specki bis 12,5GHz) da so eine Meßprozedur. Das SDR von Elad ist dabei unschlagbar aber das SDRPlay kommt trotz seiner maximal 8MHz Anzeigebreite mit so 5gut wie allen Signalen gut zurecht. Das Großsignalverhalten wird besser, wenn man das Gerät in ein Metallgehäuse einbaut. Ich hatte noch genügend selbstklebende Kupferfolie.

      Ich verwende HDSDR ind SoDiRa.

      Also meine Empfehlung: Besser als Airspy aber schlechter als Elad und ähnliche Geräte. Aber deutlich besser als Pappradio und Elektor auf der KW. Wer einen preiswerten SDR-Empfänger sucht der sogar recht erstaunlich gut funktioniert (keine Birdies usw …) sollte bei dem SDrPlay zugreifen. Es ist keine “out-of-the-box-Lösung” aber wenn man dann die für sich optimale Software gefunden hat, ist das echt eine saubere Sache … !!

      Gruß, Lutz , DL5OBG

      • Erwin Fileschi

        Hallo Lutz,
        von welchem Elektor sprichst Du? Der erste von 2004 mit RS 232 Steuerung (mit/ohne Erweiterung von elex)? Oder der 2007er mit USB Steuerung (mit/ohne Preselektor Zusatz)? Und ein Tip ,auf den Du sicher auch schon gekommen bist: schmeiß doch störende Netzteile raus, in der Bucht werden alte längsgeregelte Teile billig angeboten. Und ein 7805 oder L200 und ein paar Elkos Kosten auch nicht die Welt…
        Cu
        Klaus

  8. Pingback: SDRuno für SDRplay erschienen › HAMSPIRIT.DE

  9. Hallo liebe Hörende,

    ich bin auf der Suche nach einem SDR wie die oben beschriebenen,
    nur sollten sie in einer etwas höheren Liga spielen. Bevorzugt höre ich
    Kurzwelle, bin aber auch an allem darüber interessiert. 0,01-2000 MHZ
    wäre genial und das in der Qualität von Perseus oder Elad.

    • Hast du dir mal den SDRplay RSP2 angesehen? Ein paar Features mehr, bisschen bessere Selektion, aber insgesamt kein riesiger Sprung zum ersten Modell.
      Ansonsten gibt es nicht so wahnsinnig viel in dem Bereich. Was du aber durchaus auch überlegen könntest, auf den angekündigten Airspy HF+ zu warten. Erste Ankündigungen sehen da extrem vielversprechend aus. Dazu noch einen “normalen” Airspy für die höheren Frequenzen und du bist top ausgestattet.
      Ansonsten gibt es AFAIK keine hochwertigen SDR im VHF/UHF-Bereich, soll der Preis nicht explodieren.

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