Interviews

Interview mit Stefan Lobas über Amateurfunk an Hochschulen & WLAN-Hardware im 13cm-Band

Einmal im Monat gibt es hier in diesem Blog ein Interview mit einem Funkamateur. Auch in diesem Monat soll das nicht anders sein. In diesem Monat hat sich Stefan Lobas meinen Fragen gestellt.

Stefan, kannst du dich selbst mit eigenen Worten für unsere Leser vorstellen?

Ich heiße Stefan Lobas, DD1SL, und bin 28 Jahre alt. Nach meinem Abitur habe ich eine Ausbildung als Industrieeleketroniker gemacht und habe zwei Jahre in meinem Beruf gearbeitet, bevor ich angefangen habe, Elektrotechnik an der TU Braunschweig zu studieren.

Wie bist du zum Amateurfunk gekommen und was begeistert dich an diesem Hobby?

Obwohl ich mich schon seit der Grundschule für Elektronik interessiere, bin ich tatsächlich erst an der Uni zum Amateurfunk gekommen. Ich habe zu dieser Zeit an einem Stratosphärenballon-Projekt einer anderen studentischen Arbeitsgruppe mitgearbeitet, bei dem wir gekaufte XBee-Module zur Datenübertragung im 868MHz-ISM-Band verwendet haben. Wir hatten aufgrund der kleinen Sendeleistung allerdings keinen durchgehenden Kontakt zu den Ballons und der Wunsch, zuverlässigere Systeme mit mehr Sendeleistung bauen zu können, führte dann zur Amateurfunkgruppe der TU Braunschweig, der akaFunk. Ich habe dann 2012 meine E-Lizenz gemacht, die ich 2013 zur Klasse A aufgestockt habe.

Welche Betriebsart interessiert dich am meisten? Was sind die Gründe dafür?

Zur Zeit finde ich besonders WLAN spannend. Das 13cm-Band fängt ja etwas unter dem 2,4GHz-WLAN-Band an, die amateurfunktaugliche Hardware dafür ist allerdings recht teuer (Ubiquiti und Co.). Wir haben bei der akaFunk zusammen mit Jens Wegener, DD3AL, aus dem OV H46 gerade einen großen Schritt in Richtung günstigerer Hardware gemacht. Durch entsprechende Modifikation der Treiber unter Linux kann man einige Chipsätze von Atheros dazu bewegen, auch unterhalb des ISM-Bands zu funken. Wir reden bei der Hardware dann von handelsüblichen Routern und USB-WLAN-Sticks im Preissegment von 10 bis 50 Euro. Sobald wir unsere Ergebnisse am Spektrumanalysator validiert haben, werden wir das auch nochmal ausführlich veröffentlichen. Unsere Ideen reichen dabei von günstigen Hamnet-Zugängen bis zur Datenübertragung im Notfunk.

Eine andere Sache, die ich sehr spannend finde, ist Satellitenfunk. Letztes Jahr haben wir als akaFunk das DLR_School_Lab Braunschweig mit Konwhow und Manpower unterstützt, einen Funkkontakt mit Alexander Gerst durchzuführen, der zu dieser Zeit gerade auf der Internationalen Raumstation ISS war.
Das war nicht nur für die Schüler, sondern auch für uns eine unvergessliche Aktion mit einem unglaublichen Medienecho.

Welchen Einfluss hat Amateurfunk auf dein Studium?

Der Amateurfunk hat einen großen Einfluss auf mein Studium. Als Industrieelektroniker hatte ich praktisch nur mit 50Hz zu tun, höhere Frequenzen hatten immer etwas von unbekanntem Voodoo. Wenn man mich zu Beginn meines Studiums gefragt hätte, welche Richtung ich vertiefen möchte, hätte ich vermutlich „Mess- und Automatisierungstechnik“ geantwortet. Ich habe gerade meine Bachelorarbeit im Bereich „Kommunikationstechnik“ angefangen und arbeite dabei im Bereich von 14GHz. Ohne den Amateurfunk wäre ich wohl nicht in diese Richtung gegangen. Gerade im letzten Semester habe ich die Vorlesung „Grundlagen des Mobilfunks“ gehört, in dem es neben GSM, UMTS und LTE auch um WLAN ging.
Die Schnittmenge zu unserem Amateurfunk-WLAN-Projekt ist nicht zu übersehen und ich habe in beide Richtungen davon profitiert. Im Rahmen dieser Vorlesung haben wir auch eine Exkursion nach Berlin gemacht, als dort das IEEE802 Plenary Meeting stattfand. Das ist das Standardisierungsgremium, das u.A. auch die WLAN-Standards festlegt.
Dort habe ich mir auch eine Diskussion über regulatorische Aspekte im 5GHz-Band angehört. Es ging bei dieser Diskussion hoch her, weil die Hersteller von WLAN-Hardware gerne ein wenig Spektrum der Automotive-Branche (802.11p) mitnutzen wollen. Mir hat dies nochmal sehr klar gemacht, was für ein Privileg es eigentlich ist, als Funkamateur im gesamten Spektrum überall ein paar Kilo- oder Megahertz Bandbreite nutzen zu dürfen.

Du bist Vorsitzender der akaFunk, der Amateurfunkgruppe der TU Braunschweig. Wie kam es dazu?

Wir wählen jedes Jahr auf unsere Jahreshauptversammlung einen Vorsitzenden und viele haben wenig Lust, sich mit organisatorischen Aufgaben auseinander zu setzen. Ich habe es für mich als Chance begriffen, eigene Ideen umzusetzen und für das spätere Arbeitsleben zu üben. Ein wichtiges Thema ist für mich die Öffentlichkeitsarbeit. Ich habe unsere Homepage komplett überarbeitet, eine Facebook-Seite eingerichtet und auch die Flyer, die wir bei Veranstaltungen, wie der TU Night an Interessierte verteilen, haben jetzt einen moderneren Look bekommen.
Ich habe immer wieder den Eindruck, dass Amateurfunk ein angestaubtes Image hat – völlig zu Unrecht, wie ich finde. Es gibt deshalb nicht schlimmeres, als Info- und Werbematerial, das diesen Eindruck unterstützt. Das Werbematerial des DARC, aber auch des VFDB hat da definitiv noch Potential.

Wie entwickelt sich die Arbeit und welche Früchte trägt sie?

Derzeit kann ich mich nicht beklagen. Wir bieten immer zum Wintersemester einen Amateurfunkkurs zur Prüfungsvorbereitung an, bei dem wir regelmäßig zwischen 5 und 8 Teilnehmer haben, die bis zur Prüfung durchhalten, obwohl wir uns aus verschiedenen Gründen bewusst gegen eine „Belohnung“ mit ECTS-Credits entschieden haben.
Die größte Herausforderung ist, für möglichst viele Studierende interessant zu bleiben. Wir sind eine sehr heterogene Gruppe aus E-Technikern, Informatikern und Maschinenbauern, aber auch andere
Fachrichtungen sind bei uns selbstverständlich willkommen. Die Interessen sind dementsprechend breit gefächert, da ist von Contestbetrieb in unserer Klubstation bis zum reinen Basteln alles dabei.

Viele Studiengänge, gerade im technischen Bereich, unterscheiden sich zwischen den einzelnen Hochschulen seit dem Bachelor-/Master-System nicht mehr besonders stark. Ich bin sehr dankbar, dass die TU Braunschweig schon vor einiger Zeit erkannt hat, das ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den Hochschulen studentische Arbeitsgruppen sind, die interessante Themen bearbeiten. Die TU Braunschweig leistet sich eine Vizepräsidentin für den Bereich Lehre, die explizit auch für die Belange studentischer Arbeitsgruppen verantwortlich ist.

Sollte man sich in Zusammenhang der Nachwuchsgewinnung noch weiter auf Hochschulen konzentrieren?

Ich bin der Meinung, Amateurfunk sollte sich nicht ausschließlich aus den Hochschulen rekrutieren, Amateurfunk lebt ja gerade von der Vielfalt der Funkamateure.
Ich denke aber, das eine Hochschule durchaus ein guter Nährboden für Amateurfunk ist. Gerade der wissenschaftlich-technische Aspekt des Amateurfunks ist dort gut aufgehoben. Wir haben relativ problemlosen Zugang zu guten Messgeräten, die das Budget einer Privatperson bei weitem überschreiten und viele Kommilitonen schätzen auch die Praxisnähe, die wohl an den meisten Hochschulen viel zu kurz kommt. Hier kann man mal selber etwas bauen und hat auch eigentlich immer einen Ansprechpartner, den mal fragen kann, wenn etwas nicht so wie erwartet funktioniert.
Allgemein sehe ich insbesondere Projekte, wie die Entwicklung einer echt freien und quelloffenen Alternative zum DMR oder D-Star, ganz klar im Bereich der Hochschulen.

Wer gerade studiert und sich für Amateurfunk interessiert findet beim DARC eine inzwischen recht aktuelle Liste von Amateurfunkgruppen an Hochschulen. Ich kann nur jedem (noch nicht) Funkamateur, der studiert oder an einer Hochschule arbeitet empfehlen, sich dort zu engagieren! Auch die Vernetzung der Hochschulen untereinander verbessert sich gerade spürbar.
Joachim Posegga, DL7JP hat einen E-Mail-Verteiler für akademische Amateurfunkgruppen eingerichtet, auf dem schon verschiedene Themen im Bereich Amateurfunk an Hochschulen diskutiert wird. Gefühlt wird wird das Thema an Hochschulen präsenter.

Welche Tipps gibst du Neulingen mit auf den Weg?

Das wichtigste: Lasst euch nicht durch das etwas angestaubte Image verunsichern. Amateurfunk hat ausgesprochen moderne und interessante Themen und es ist für jeden (funk-)technisch Interessierten etwas dabei. Auch von dem meist sehr hohen Altersdurchschnitt bei einem OV-Abend sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die allermeisten OMs, die ich kenne, sind ausgesprochen hilfsbereit und nehmen Neulinge, wenn nötig, bei den ersten eigenen QSOs auch gerne an die Hand.

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