Allgemein

Sonnenfinsternis als Notfunkübung

Am 20.3.2015 findet in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis statt. Das ist in erster Linie ein Naturschauspiel erster Güte, für das sich Funkamateure aber auch aus anderen Gründen interessieren sollten.

Sonnenfinsternis und unser Stromnetz

Ein großer Teil des erzeugten Stroms beziehen wir mittlerweile aus erneuerbaren Energien. Davon wiederrum wird ein nicht geringer Teil aus Solarstrom erzeugt. Wir müssen wegen der Sonnenfinsternis jedoch weniger Angst haben, dass unser Stromnetz zusammenbricht, weil nicht genügend Leistung zur Verfügung steht. Dieser Fall ist bei starker Bewölkung und natürlich Nachts ebenfalls vorhanden.

Am Freitag könnte uns aber ein ganz anderes Problem treffen. Wenn die Bedingungen ungünstig sind, was hier sehr gutes Wetter mit nur geringer Bewölkung und damit kräftig arbeitenden Photovoltaikanlagen bedeutet, könnte unser Stromnetz Schwierigkeiten bekommen. Zunächst wird durch die verringerte Sonneneinstrahlung die ins Netz eingespeiste Menge an Strom relativ rapide und über weite Teile Deutschlands zurückgehen. Verschwindet dann der Mond wieder, wird es zu einem schnellen Anstieg der Stromlieferung kommen. Und gerade letzteres ist ein großes Problem, worauf unsere Stromnetze nur bedingt ausgelegt sind. Wer sich für die recht beeindruckenden Zahlen interessiert, kann sich bei Heise mal schlau lesen.

Sonnenfinsternis und Amateurfunk

Was hat jetzt der gemeine Funkamateur damit zu tun? Eine flächendeckende Beeinträchtigung der Stromversorgung bedeutet genauso eine Beeinträchtigung unserer Kommunikationsnetze. Über deren Wichtigkeit brauche ich hier im Blog sicher nichts mehr schreiben, das BBK führt sie auch unter dem Stichwort „Kritische Infrastrukturen“.

Nun haben Funkamateure gegenüber den klassischen Funknetzen eben einen entscheidenden Vorteil, nämlich Kommunikation auch dann aufrecht erhalten zu können, wenn dies für Max Mustermann nicht mehr möglich ist. Das wird gerne als Notfunk bezeichnet.

Notfunk

Ich will hier ganz ehrlich sein, für mich hat Notfunk immer einen etwas faden Beigeschmack. Aber betrachten wir es mal ganz nüchtern, es geht darum, in einer Notsituation Informationen von A nach B zu transportieren. Und wenn das nicht das ureigenste Geschäft der Funkamateure ist, dann weiß ich es auch nicht. Aus meiner Sicht geht es auch gar nicht darum, sich bis an die Zähne zu bewaffnen mit allerlei Gerät, das in Flecktarn zu lackieren und getarnt als Sträucher in der Landschaft Weltuntergang zu spielen.

B5U7zzKCMAAEaCfWir alle haben genug Gerätschaften rumstehen, die sich hervorragend für den Notfunk eignen. Im kleinsten Fall ist das ein Handfunkgerät und ein Notizblock. Vielleicht noch eine Flasche Wasser und schon kann es auf einen Hügel gehen und wir können Teil eines „Netzwerks“ sein, um Informationen zu übermitteln. Genauso kann man natürlich auch seine eh schon vorhandene Fieldday-Ausrüstung nutzen und ist so unter Umständen in der Lage deutlich größere Entfernungen zu überbrücken oder andere Frequenzbereiche wie zum Beispiel die Kurzwellenbänder.

Wie man für sich also Notfunk definiert, kann sehr unterschiedlich sein und das macht auch nichts, schließlich haben wir die Technik und, ganz wichtig, auch die Betriebstechnik, um unter schwierigen Konditionen eine Kommunikation herstellen zu können.

Nochmal, es geht nicht darum, bis Freitag sich in einem Bunker zu verschanzen und den Weltuntergang abzuwarten. Viel mehr geht es darum, sich mental mit einem möglichen Stromausfall auseinander zu setzen. So machen das Profis im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz auch.

Größere Schadensereignisse lassen sich nicht immer Bildlich darstellen, sondern werden im Rahmen von Planübungen abgearbeitet. Dabei findet das Schadensszenario in erster Linie in den Köpfen der Beteiligten statt und man lernt eine ganze Menge daraus. Gerade Ereignisse wie Stromausfälle zeigen, dass es auf das schwächste Glied in der Kette ankommt. Also seht Euch euer Shack an und überlegt Euch, wie lange Ihr einen Betrieb ohne Strom aufrecht erhalten könnt!

Viel Wind um nichts?

Vielleicht passiert am Freitag gar nichts. Vielleicht gibt es einen über Stunden andauernden Stromausfall. Eigentlich ist das Resultat aber auch erstmal gar nicht so wichtig. Die partielle Sonnenfinsternis ist eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema grundsätzlich auseinander zu setzen und sich zu überlegen, was man selbst in einem solchen Fall tun kann, für sich und für andere. Und jeder sollte sich auch einer gewissen gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein.

Nebenbei hat man durch die Überlegungen auch andere Vorteile. Wer stand nicht schon bei einer wie auch immer geplanten Funkaktivität in der Pampa und stellte plötzlich fest, dass ihm ein Adapter fehlt, sei es für Koaxialleitungen oder die Stromversorgung eines Geräts?

Also los, sorgt am Freitag für vollgeladene Funkgeräteakkus und spielt im Kopf ein paar Szenarien durch, es schadet ganz sicher nicht!

Mehr Infos?

Hier gibt es weitere Infos zur Sonnenfinsternis:

über

Drückt sich seit Jahren vor der Lizenz, aber 2016 soll es endlich soweit sein. Besondere Interessen sind die Frequenzen oberhalb von 30 MHz und digitale Betriebsarten, dort hauptsächlich mit dem RTL-SDR unterwegs. Wenn Funk gerade eine geringere Rolle spielt, dann mit dem Rad oder zu Fuß in der Natur unterwegs und dem Fotoapparat im Schlepptau. Mehr auf Twitter: @kermit_t_f

5 Kommentare

  1. Pingback: Wochrückblick KW 11 › HAMSPIRIT.DE

  2. Wie schon ganz richtig beschrieben, es ist das ureigenste Metier der Funkamateure, Nachrichten weiterleiten zu können „wenn Otto-Normalverbraucher dies nicht mehr kann“ – und gerade in heutiger Zeit wird so etwas wichtiger! Warum? Nun, weil die allgemeinen Möglichkeiten, Nachrichten schnell von A nach B zu leiten immer mehr sinken:
    * Früher hatten viele ein CB-Funkgerät im Auto, dies konnte wenigstens für die Kommunikation im Nahbereich eingesetzt werden – heute ist so ein Gerät nur noch selten verbaut.
    * Immer mehr Leute besitzen keinen Festnetzanschluss mehr sondern nur noch ein Mobiltelefon – dieses ist jedoch bei einem längeren Stromausfall nur mehr als Briefbeschwerer nutzbar, da die Basisstationen normalerweise gar nicht oder nur bis zu 15 Minuten (nur in Ausnahmefällen länger) abgesichert sind.
    * In den Fällen, in denen ein Festnetztelefon vorhanden ist, handelt es sich oft um DECT-Geräte, bei diesen benötigt die Basisstation jedoch meist (oder immer?) neben der Telefonleitung eine zusätzliche Betriebsspannung um die Kommunikation zum Endgerät in Betrieb zu halten.
    * Hat jemand schließlich ein normales, schnurgebundenes Telefon, so sind immer mehr Anschlüsse nicht mehr in ISDN- oder POTS-Technologie realisiert sondern es handelt sich um All-IP-Anschlüsse, welche meist bei einem Stromausfall offline sind (bei POTS oder ISDN habe ich in jedem Fall eine Notstromversorgung durch die Vermittlungsstelle, bei All-IP nur, wenn ich nahe an der Vermittlungsstelle wohne und nicht an einem Outdoor-DSLAM angeschlossen bin, außerdem muss in dem Fall der Router des Kunden selbst auch mit einer lokalen USV versorgt sein) – zu diesem Punkt habe ich auch schon 2012 ausführlich etwas unter http://blog.florian-pankerl.de/2012/grunde-gegen-entbundelte-dsl-anschlusse-und-ftthfttl-ohne-fall-back/ geschrieben.
    * Digitalisierung des Funkverkehrs: Während im analogen 4m/2m-Behördenfunk Relaisstellen im Ruhezustand nur eine minimale Energiemenge aufgenommen haben und nur im Sendebetrieb wirklich etwas verbraucht wurde, so senden die digitalen TETRA-Basisstationen einen Dauerträger. Hierfür verbraucht eine Basisstation pro 4 Träger durchschnittlich 400 Watt. Da hierdurch auch die Notstromversorgung mit Akkus relativ teuer ist, wurde sie an vielen „unwichtigen“ Basisstationen (je nach Bundesland auch an allen Basisstationen) einfach weggespart. Bisher gibt es nur ein Bundesland, in dem nachgedacht und aus Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde – Brandenburg hat flächendeckend alle Basisstationen mit Brennstoffzellen für >24h Notstrombetrieb ausgerüstet.

    Was kann jetzt der Notfunk? Hierzu habe ich einige Möglichkeiten unter https://www.do1iuk.de/notfunk.html#was_kann aufgelistet.
    Die Ausrüstung darf übrigens schon etwas größer ausfallen als das, was man für den „normalen“ Afu-Betrieb vorrätig hält… so sollte man hier Wetterfeste Kleidung, einen Wasser- und Nahrungsmittelvorrat, Taschenlampen, Batterien, Feuerzeug, Kerzen, ein kleines tragbares Radio, Werkzeug, einen Erste-Hilfe-Pack und eine Telefonliste der wichtigsten Ansprechpartner (Notfunkreferenten, Leitstellen von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Ärztliche Bereitschaftsdienste, Giftnotrufzentralen, Bürgertelefone etc.) vorrätig haben; im Mobilbetrieb sollte man außerdem immer Umgebungskarten (Wanderkarten, Fahrradkarten oder ähnliches) und Absperrmaterial (Flatterband, zweites/evtl. drittes Warndreieck) dabei haben.

  3. Hallo Florian!
    Danke für deine Ergänzungen! Ich habe noch 2 Anmerkungen dazu:
    1. TETRA-Basisstationen haben grundsätzliche eine USV eingebaut, die für wenige Stunden autark arbeiten kann. Danach ist vorgesehen, die Basisstation mittels externer Einspeisung betreiben zu können. Brennstoffzellen oder ähnliches sind in anderen Bundesländern da anzutreffen, wo man damit rechnen muss, dass innerhalb der Überbrückungszeit der USV keine externe Einspeisung möglich ist, zum Beispiel im Bergland.
    2. Deine Ausrüstung in Ehren, aber es muss eben gerade nicht soviel sein. Damit will ich nicht sagen, dass deine Ausrüstung übertrieben ist, aber es sollte keinen davon abhalten, sich mit dem Thema Notfunk auf niedrigerer Ebene auseinander zu setzen. In der einfachsten Form ist das eben ein vollgeladenes Handfunkgerät samt Notizblock und ner Flasche Wasser, womit man schon mal ne längere Zeit arbeiten kann.

  4. Hallo Zusammen,

    ich sehe es ähnlich. Die Notfunk-Basisauzsrüstung sollte das Handfunkgerät und ein Notizblock sein. Ich würde aber neben der Wasserflasche auch noch ein paar Müsli-Riegel mitnehmen.

    In Wuppertal sind wir gerade dabei, eine Notfunk-Gruppe aufzubauen. Wir sprechen hier zwar auch über Notfunk-Koffer und definierte Schnittstellen, aber auch hier sehen wir das Handfunkgerät mit Reserve-Akku als Basis der Ausrüstung an.
    Aber auch die Beschäftigung mit ggf. anderen Betriebsabläufen kann nicht schaden. So wird man im Fall der Notfunk-Kommunikation eher auf ein Funknetz mit einer Art von Headquarter-Station zurück greifen. Das hat einfach nur den Grund, dass man hier versuchen möchte, die Ressourcen zu schonen. Stichworte hierzu: Nur senden, wenn es nötig ist; geringstmögliche Sendeleistung, regelmäßige Abfrage der beteiligten Stationen durch die HQ-Station, statt unkoordiniertes Durcheinanderfunken mit verlorengegangenen Nachrichteninhalten…
    Klar können wir alle funken und haben einen imens großen Schatz an Wissen zur Funktechnik. Aber in einer Notfunk-Situation spielen auch die „Körpersäfte“ wie z.B. das Adrenalin mit…

    Schön, dass auch hier der Notfunk erwähnt wird.

    Grüße aus Wuppertal….

    Sebastian, DM1SW
    http://www.notfunk-w.de

    • Hallo Sebastian,

      danke für deinen Kommentar. Damit erinnerst du mich indirekt daran, dass ich dir noch eine Antwort auf deine E-Mail schuldig bin. Diese ist eben raus gegangen 😉

      Viele Grüße

      Silvio

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