Interviews

Interview mit DO7KAY über seinen Einstieg in den Amateurfunk und Jugendarbeit

Nachdem ich im Januar mit DC4LW und im Februar ein Interview DL2YMR geführt habe, könnt ihr natürlich auch für den Monat März ein Interview erwarten. In diesem Monat stellem wir euch den vielleicht jüngsten Funkamateur in Deutschland vor.

Kay, kannst du dich selbst mit eigenen Worten für unsere Leser vorstellen?

Mein Name ist Kay, ich bin 13 Jahre alt und seit Mai 2013 Funkamateur. Mein Rufzeichen lautet DO7KAY. Mich fasziniert am Amateurfunk vorallem die Vielfalt an Möglichkeiten, besonders digitale Betriebsarten und der Betrieb über Satelliten. Außerdem verfolge ich mit Interesse die WSPR-Projekte anderer Funkamateure, wo man sozusagen selbst zum „Forscher“ wird. Zudem interessiere ich mich für das Videofilmen, die Astronomie und Sprachen.

Wie bist du zum Amateurfunk gekommen und was begeistert dich an diesem Hobby?
Da mein Vater auch Funkamateur ist, würde man wahrscheinlich sagen, er hätte mich mit dem „Afu-Virus“ angesteckt. Jedoch bin ich aus eigenem Antrieb zum Amateurfunk gekommen, und zwar über YouTube. Ich hatte mich schon vorher für Elektronik interessiert und bin auf der Suche nach Tutorials (Erklärvideos) auf ein Video vom OM Christian, DD7LP, gestoßen, in dem es um eine Multibandantenne ging. Ich war erstaunt, dass man in Zeiten eines sehr gut ausgebautem Telefonnetz und einem fast immer verfügbarem Internet noch „hinter die Kulissen“ schaut.

Das Selbermachen und das Ausprobieren, und damit auch die Erforschung der Grenzen der Telekommunikation (QRP(p), WSPR), waren genau mein Ding. Nach einer halbstündigen Internetrecherche habe ich mich erinnert, dass mein Vater auch mal sowas gemacht hat. Also schnell bei ihm angeklopft und ihn ausgefragt. Natürlich wollte ich sofort auch eine Lizenz machen, aber mein Vater, der schon lange nicht mehr aktiv war, erstickte die Freude und den Tatendrang erstmal: Lizenz erst mit 18!

Das wollte ich natürlich nicht hinnehmen und habe im Internet nachgeguckt und konnte meinem Vater eines besseren belehren. Fünf Monate später stand die Prüfung bei der BNetzA an, die ich natürlich bestanden habe. Seitdem bin ich trotzdem immer wieder von der Vielfalt unseres Hobbies erstaunt.

Welche Probleme siehst du für den Amateurfunk in Deutschland und welche Lösungen schlägst du vor?

Viele OMs sind der Meinung, im digitalen Zeitalter würde sich ja sowieso keiner mehr für den Amateurfunk interessieren, obwohl sie sich selber nur einmal im Monat in der Kneipe treffen und bei einem frisch gezapften kalten Bier Geschichten von früher erzählen und über die aktuellen Sonderstationen schwafeln. Diese OMs sind dann auch die, die nie Jugendarbeit gemacht haben bzw. sich noch nicht mal annähernd damit beschäftigen. Vielen technisch interessierten Jugendlichen ist es garnicht bewusst, dass es sowas wie den Amateurfunk gibt, und deshalb kann man kein Vorurteil fällen, dass das ja eh keinen interessiert. Dann könnte man auch getrost die Bundestagswahlen wegfallen lassen, wenn doch sowieso schon klar zu sein scheint, welcher Politiker das größte Ansehen bei den Wählern hat. Man muss jede Gelegenheit nutzen, den Jugendlichen zu zeigen, wer wir sind und was wir machen. Und dabei ist es auch wichtig, dass man den potenziellen Funkern klar macht, dass, salopp gesagt, die Funkamateure nicht nur alte Opas sind, die unter Hochspannung gesetzt auf ihren Junkers-Morsetasten herumdrücken, um ihren alten Röhrensender zu betreiben.
Meine Devise: Einfach mal auf die Jugendlichen zugehen, ihnen den Amateurfunk und alle seine Facetten zeigen!

Allerdings sollte man nicht erwarten, dass direkt zwanzig neue OV-Mitglieder dabei herausspringen. Interesse für unser Hobby kann man nicht erzwingen, aber man kann den Bekanntheitsgrad des Amateurfunks steigern. Deshalb: „Go out and do Jugendarbeit!“

Welche Betriebsart interessiert dich am meisten? Was sind die Gründe dafür?

CW! Denn CW ist die älteste digitale Betriebsart, CW ist der einfachste Weg, Informationen zu teilen, mit CW kommt man sogar mit nur einem halben Watt einmal um den Globus. CW-Transceiver sind leicht aufzubauen, d.h. CW kann auch den Selbstbau fördern. Ich selber beherrsche CW nicht gut bzw. bin noch in der Lernphase, bin aber jetzt schon im Bann dieser Betriebsart. Und wer denkt, CW wäre verrostet und das interessiert auf keinen Fall die Jugend von heute, dem kann ich nur entgegensprechen. Erst letztens habe ich ein spannendes Projekt eines Kunststudenten gesehen, der eine Morsetaste gebaut hat, mit der man Tweets auf Twitter versenden kann. Also ganz so alt und unaktuell kann die Telegrafie dannauch nicht sein!

Welchen Tipp würdest du Einsteigern unbedingt mit auf den Weg geben wollen?

Lasse dich nicht von irgendjemand von irgendeinem Projekt abbringen! Nichts ist zu verrückt, um es einfach mal auszuprobieren. Mir wurde am Anfang meiner „Karriere“ gesagt, ich solle doch die Klasse A machen, die Klasse E würde keinen Sinn machen, auf den für DOler zugelassenen Bändern sei nichts los. Wie ich schnell selbst gemerkt habe, bringt selbst eine sehr mickrige Station auf diesen Bändern schon viel Freude am DXen.

Welchen Tipp würdest du anderen Ortsverbänden geben, um Interesse bei Jugendlichen zu wecken?

Zeigen, dass der OV mehr ist als nur geselliges Bier trinken, denn das ist für Jugendliche nicht gerade interessant. Die Funkamateure sollten ein Anlaufpunkt für die Fragen der Jugendlichen sein und ihnen so viel wie möglich zeigen, damit sie einen Eindruck der verschiedensten Möglichkeiten bekommen.

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