Interviews

Amateurfunk & Fotografie – Ein Interview mit Michael Reichardt (DL2YMR)

Im Januar habe ich begonnen damit begonnen Interviews in diesem Blog zu veröffentlichen. Diese Interviews werden per E-Mail durchgeführt und ich suche dafür immer wieder interessante Gesprächspartner.

Im Januar gab es ein Interview mit Lars Weiler (DC4LW) über Amateurfunk, Nachwuchsgewinnung und den letzten Chaos Communication Congress.

In diesem Monat habe ich ein Interview mit Michael (DL2YMR) geführt. Natürlich geht es in diesem Interview auch wieder um den Amateurfunk. Allerdings hat Michael mit der Fotografie noch ein weiteres sehr interessantes Hobby. 

Michael, kannst du dich selbst mit eigenen Worten für unsere Leser vorstellen?

Hallo Silvio, zuerst möchte ich mich bedanken, dass ich mich und meinen Blog hier auf hamspirit.de vorstellen darf.

Mein Name ist Michael Reichardt und mein Amateurfunkrufzeichen ist DL2YMR. Mit diesem Rufzeichen bin ich nun seit fast 20 Jahren in allen möglichen Betriebsarten auf den Amateurfunkbändern unterwegs. Seit 5 Jahren bin ich Blogger und Gründer von DL2YMR.DE. Der Blog beschäftigt sich mit den Dingen, die mich aktuell im Hobbybereich interessieren und beschäftigen. In erster Linie sind das der Amateurfunk und die Fotografie.

Darüber hinaus bin ich aktiv auf Twitter unter @dl2ymr und auf Facebook unter meinen Realnamen. Von Zeit zu Zeit erstelle ich Videos zum Thema Amateurfunk, die ich dann auf YouTube unter meinem Rufzeichen veröffentliche.

Wie bist du zum Amateurfunk gekommen und was begeistert dich an diesem Hobby?

Das Funkhobby lag bei uns schon in der Familie. Mein Onkel war damals Funkamateur unter dem Rufzeichen DL2UN. Als er mich – damals als kleinen Jungen – das erste Mal in sein Shack mitnahm, gab es einen sehr heftigen Zündfunken, der bis heute meine Faszination für den Amateurfunk antreibt. Die Lizenz durfte man damals aber erst mit 18 Jahren machen und wie das bei so vielen anderen Jugendlichen auch ist, kam zu der Zeit erstmal der Beruf und später die Gründung der Familie.

Da ich die Faszination Amateurfunk aber nie aus meinen Kopf bekam, legte ich 1996 die Amateurfunkprüfung ab und bin seit dem aktiv auf den Bändern QRV.

Wie bist du zur Fotografie gekommen und was fasziniert dich daran?

Die Fotografie begleitet mich schon mein ganzes Leben. Entfacht wurde die Leidenschaft durch einen Kosmos Baukasten namens Optikus. Damit habe ich damals sogar eine kleine Plastik Spiegelreflexkamera samt Objektiv selber gebastelt.
Als ich etwas älter war schenkte mir mein Großvater seine alte Isolette II Mittelformatkamera von Agfa, mit der ich viel fotografiert habe. 1986 kaufte ich mir meine erste richtige Spiegelreflexkamera. Es war damals die Olympus OM-20. Ab jetzt wurde alles kurz- und kleinfotografiert.
Um die Jahrtausendwende herum kam für mich der Umstieg auf die Digitalfotografie. Jetzt war es auch möglich viele Fotoexperimente zu machen, ohne das es gleich ein Vermögen kostete. Zeitgleich kam auch der Einstieg in die digitale Bildbearbeitung mit Photoshop, eine Software, die ich bis heute intensiv nutze.

Welche Gemeinsamkeiten haben beide Hobbys aus deiner Sicht?

Die Gemeinsamkeit beider Hobbys ist ohne Zweifel der technische Aspekt. Beim Amateurfunk ist es die Elektronik, die mich immer wieder fasziniert und bei der Fotografie ist es die Optik mit ihren Gesetzen. Es gibt auch viele Gemeinsamkeiten bei der theoretischen Betrachtung beider Hobbys. Bei der Fotografie haben wir es mit Licht zu tun und Licht verhält sich genau so wie Funkwellen, beides sind elektromagnetische Wellen nur mit unterschiedlichen Frequenzen. Insbesondere stellt man das fest, wenn man sich mit künstlichen Lichtquellen wie z.B. Blitzlicht beschäftigt. Ja, man kann sogar mit Lichtwellen funken. Etwas, was die beiden Hobbys gar nicht gemeinsam haben, ist der künstlerische Aspekt. Der rückt für gewöhnlich in den Vordergrund, wenn man die technischen Aspekte abgehandelt hat 🙂

Welche Betriebsart interessiert dich am meisten? Was sind die Gründe dafür?

Am meisten interessiert mich nach wie vor die Telegrafie. Ein Grund dafür ist, dass mein damaliger Mentor Alfred, DF9VB fast nur in Telegrafie unterwegs war. Ein zweiter Grund ist der Selbstbau von QRP Geräten. Beim QRP Betrieb ist man mit CW deutlich erfolgreicher als beispielsweise mit SSB. Darüber hinaus war es für mich damals mit nur kleinen Antennen einfacher in dieser Betriebsart andere Stationen in der ganzen Welt zu erreichen.

Welchen Tipp würdest du Einsteigern unbedingt mit auf den Weg geben wollen?

Ich finde, dass sowohl der Amateurfunk als auch die Fotografie immer stärker kommerzialisiert werden. Die Fachzeitschriften sind voll von Werbung und aktuellen Testergebnissen, die uns sagen, welchen Transceiver, welche Kamera wir als nächstes unbedingt kaufen müssen um noch up to Date zu sein. Da gibt es den neuen YaeComWood, der einen wahnsinnigen Dynamikbereich und ein tierisch geringes Oszillatorrauschen hat und ohne den ein Funkbetrieb auf überfüllten Bändern fast nicht mehr möglich ist.

Dann gibt es noch die super Canikon Kamera mit 386 Megapixeln und eingebautem Nachtsichtverstärker die man unbedingt haben muss, wenn man noch beachtenswerte Bilder schießen möchte. Der technikgeile Nerd wird dabei voll auf seine Kosten kommen, aber weder für einen guten Funkbetrieb noch für geniale Bilder ist all dieser Schnickschnack notwendig. Nice to have ist es vielleicht aber spart lieber Euer Geld und genießt das Hobby. Man muss nicht immer das neueste Zeug haben.

Wenn du auf die letzten 5 Jahre in deinem Blog zurückblickst, was waren deine schönsten Momente?

Schön ist immer zu sehen, wie die Zugriffszahlen auf dem Blog kontinuierlich steigen. Daran sehe ich, dass es viele Leser gibt, die mein Geschreibsel interessiert und Spaß daran haben. Die Zugriffszahlen und die Kommentare sind doch der Applaus für uns Blogger.
Schöne Momente gab es auch auf der Hamradio in Friedrichshafen, wo mich verschiedene Leute auf meinen Blog angesprochen haben und ich sie dadurch persönlich kennen lernen durfte.

Welcher Artikel in deinem Blog ist dein persönlicher Favorit und warum sollten unsere Leser dort gleich weiterlesen?

Es gibt keinen wirklichen Favoriten in meinem Blog. Falls du das an Zugriffszahlen festmachen möchtest könnte ich sicherlich Artikel nennen, aber ich glaube, das ist nicht das Entscheidende. Ich schreibe in meinem Blog, wie ich oben schon erwähnt habe, über Dinge, die mich aktuell interessieren und so sind auch diese aktuellen Artikel immer aktuell auch meine Favoriten.

Michael, vielen Dank für das interessante Interview und die Einblicke in deine Hobbys.

1 Kommentar

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