Equipment

RTL-SDR – Die Hardware

Nachdem es im letzten Beitrag ja um die Grundlagen ging, will ich dieses Mal etwas auf die Hardware eingehen, die man für möglichst viel Spaß mit dem RTL-SDR so braucht. Dabei geht es nicht nur um den Stick an sich, sondern auch das, was man so als Peripherie unbedingt benötigt und was wünschenswert ist. Hier freue ich mich natürlich auch über Anregungen in den Kommentaren und per Twitter, Facebook etc.
Ganz spezielle Themen werde ich sicher auch nochmal extra aufgreifen, um diese zu beleuchten, zum Beispiel wie man mit Störungen durch Sender in der Nähe umgeht.

RTL-SDR Dongles

Erstmal braucht man natürlich einen entsprechenden DVB-T-Stick, der unsere Anforderungen erfüllt. Wichtig sind dabei 2 Chips, auf die Ihr achten müsst. Ganz wichtig ist, dass der Stick mit einem Realtek RTL2832U Chip ausgestattet ist, denn nur mit diesem funktioniert der Treiber, der aus einem DVB-T-Stick einen für unsere Zwecke nutzbaren SDR macht.
Flexibler sind wir beim Tuner-Chip, der die HF-Eigenschaften bestimmt. Hier gibt es verschiedene Modelle, welche Ihr nach dem gewünschten Einsatzzweck auswählen könnt.

Tuner Frequenzbereich
Elonics E4000 52 – 2200 MHz mit einer Lücke zwischen 1100 MHz & 1250 MHz
Rafael Micro R820T 24 – 1766 MHz
Rafael Micro R828D 24 – 1766 MHz
Fitipower FC0013 22 – 1100 MHz (FC0013B/C, FC0013G hat einen extra L-band Eingang, welcher bei den meisten Sticks nicht verbunden ist)
Fitipower FC0012 22 – 948.6 MHz
FCI FC2580 146 – 308 MHz und 438 – 924 MHz (dazwischen befindet sich eine Lücke)

Der E4000 war mal das Brot-und-Butter-Modell, wird aber wohl mittlerweile nicht mehr hergestellt und ist daher recht schwer zu bekommen. Teilweise werden relativ hohe Preise dafür aufgerufen, die man aus meiner Sicht nicht für den Einstieg auf sich nehmen sollte.
Also hat sich als Standardmodell der R820T etabliert, der einen großen Frequenzbereich bietet und auch sonst eher unproblematisch ist. Sein Nachfolger, der R820T2 soll teilweise etwas besser sein hinsichtlich des Signal-Rauschabstands, aber entsprechende Dongles sind teilweise auch noch recht schwer zu bekommen.

Der große Trick ist noch, herauszufinden, welcher Tunerchip in dem Dongle eines Anbieters steckt. Die Teile sind Massenware und teilweise steckt im gleichen Gehäuse komplett unterschiedliche Hardware, so hatte ich mal zufällig einen Stick bekommen, der eigentlich einen R820T beinhalten sollte, aber noch mit einem E4000 ausgestattet war.
Wenn Ihr hunderprozentig sicher gehen wollt, welche Hardware verbaut ist, dann besorgt Ihr das Teil bei einem Spezialisten wie Nooelec. In Deutschland habe ich keine speziellen Erfahrungen mit Shops und tue mir dementsprechend auch schwer mit einer Empfehlung. Die Jungs von Osmocom betreiben einen kleinen Onlineshop, wo man ebenfalls einen Stick bekommt: http://shop.sysmocom.de/products/tv28-r820t-bulk Wie gesagt, Erfahrungen habe ich keine, also erfolgt die Bestellung natürlich auf eigene Gefahr.
Ansonsten, benutzt Google, Amazon*, Ebay, ich denke da sollten sich genügend Angebote finden lassen. Und ein wenig Abenteuer, welchen Tunerchip man dann tatsächlich bekommt, ist ja auch ganz spannend 😉

Links Nooelec, Mitte Gixa, Rechts Terratec

Links Nooelec mit R820T und MCX auf SMA Pigtail, Mitte Gixa mit E4000 und MCX auf Koax Pigtail, Rechts Terratec mit E4000 und Adapter Koax auf BNC

Habt Ihr die Bestellung geschafft, kommt irgendwann der Stick zu euch und es kann losgehen. Die Teile haben einen ganz normalen USB-Anschluss und einen Antennenanschluss. Bei letzterem geht der Spaß schon los, je nach Bauform finden sich hier unterschiedliche Varianten. Teilweise sind Koax-Buchsen verbaut, teilweise Buchsen im Standard MCX. Gerade für letzteren werden die wenigsten mal eben einen Adapter in der Bastelkiste vorrätig haben, also bestellt euch rechtzeitig einen solchen. Manchmal liegt ein Adapter mit einem kurzen Stück Koaxkabel (sogenanntes Pigtail) bei, der zum Beispiel von MCX auf Koax umsetzt. Aber Koax ist eben auch noch keine übliche Norm, die wir im HF-Bereich so einsetzen, dort findet man eher SMA, BNC, PL oder N. Gerade wenn Ihr erstmal mit Aufsteckantennen für Handfunkgeräte herumexperimentieren wollt, werdet Ihr einen Adapter auf SMA oder BNC benötigen. Generell ist es aus meiner Sicht empfehlenswert, sich mal über ein Sortiment Gedanken zu machen, damit man die gröbsten Anwendungsfälle abgedeckt bekommt. Es gibt bei den üblichen Händlern auch spezielle Adaptersets, die sich schön zusammenbauen lassen, aber diese kosten auch eine ganze Menge Geld, besonders verglichen mit unserem Empfänger für ein paar Euro. Das Thema Adapter kann man beliebig ausbreiten, wichtig ist aber, dass Ihr für euch einen praktikablen Weg findet. Denkt auch daran, dass Ihr vielleicht mal den Anschluss einer Antenne etwas verlängern müsst und dementsprechende Koaxkabel vorhalten solltet.
Je nachdem, wie eurer Schreibtisch so aussieht, benötigt Ihr noch ein USB-Verlängerungskabel. Dieses hat den Vorteil, dass Ihr den, teilweise recht großen, Stick nicht direkt am Rechner einstecken müsst, was im Zweifelsfall der Lebensdauer der USB-Buchse zu Gute kommen wird. Teilweise kommt es hier wohl bei den Kabeln von 5 Meter und länger zu Problemen, ich nutze eine 3 Meter Verlängerung und habe keine Schwierigkeiten damit.

Viel mehr braucht Ihr eigentlich erstmal nicht, um mit dem RTL-SDR loszulegen. Wobei, eines habe ich bisher nur kurz erwähnt, Ihr wollt eine bessere Antenne als den Stummel, der teilweise bei den Sticks dabei ist! Eine alte Funkerweisheit sagt, dass jeder Empfänger nur so gut ist, wie die Antenne die dran hängt. Das Problem ist aber, das Thema Antenne ist so komplex, dass ich nochmal extra darauf eingehen werde. Deshalb hier erstmal der Tipp, wenn Ihr reinschnuppern wollt und noch nicht so richtig wisst, wo die Reise hingeht, holt euch eine Antenne für ein Handfunkgerät, die nicht ganz auf minimale Größe getrimmt ist. Ich ,habe derzeit eine Diamond RH-771 sowie eine Diamond RH-799 in Benutzung, damit kann man die ersten Schritte wagen. Aber wie erwähnt, da werde ich nochmal genauer drauf eingehen.

Am Ende ein Tipp von mir, wie ein gutes Einsteigerset aussehen kann, aber da seid Ihr natürlich völlig frei in der Auswahl. Kauft euch also einen Stick und tut euch mit der Auswahl des Tunerchips nicht zu schwer, der R820T ist der Allrounder. Dann noch einen Adapter für eine übliche Steckernorm, beispielsweise MCX auf SMA. Eine USB-Verlängerung ist nie verkehrt, da seid Ihr natürlich frei, je nach der zu überbrückenden Entfernung.
Und zum Abschluss ein Hinweis von mir, gerade für so Basteleien solltet Ihr euch auf eine möglichst flexible Möglichkeit festlegen, die Verbindung zwischen Empfänger und Antenne herzustellen. Ich habe mich entschieden, ein Paar Kabel mit FME-Anschluss zu kaufen und dann mit den jeweiligen Adaptern zu arbeiten, damit bin ich möglichst flexibel. Aber Koaxkabel und Steckverbindungen sind ebenfalls wieder eine Wissenschaft für sich, die hier den Rahmen sprengt.

Also, macht es euch nicht zu schwer, für die ersten Schritte habe ich ja oben schon einiges geschrieben und damit könnt Ihr auf jeden Fall loslaufen. Je weiter man Erfahrungen sammelt und auch feststellt, was einen interessiert, desto spezieller werden die Anforderungen und damit auch die Ausrüstung.

über

Drückt sich seit Jahren vor der Lizenz, aber 2016 soll es endlich soweit sein. Besondere Interessen sind die Frequenzen oberhalb von 30 MHz und digitale Betriebsarten, dort hauptsächlich mit dem RTL-SDR unterwegs. Wenn Funk gerade eine geringere Rolle spielt, dann mit dem Rad oder zu Fuß in der Natur unterwegs und dem Fotoapparat im Schlepptau. Mehr auf Twitter: @kermit_t_f

3 Kommentare

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