Digital Voice DMR

Mein Einstieg in den Digitalfunk – Wird FM durch DMR abgelöst?

Seitdem ich im Sommer meine Amateurfunkprüfung abgelegt und meine Zulassung erhalten habe, ist mir ein Thema aufgefallen über das immer wieder gesprochen wird: Digital Mobile Radio (DMR). Einigkeit scheint bei diesem Thema nicht zu bestehen. Manche halten es für Teufelszeug und keinen richtigen Amateurfunk, andere sehen darin eine Offenbarung.

Trotz meiner Neugierde auf die digitale Funktechnik war ich zunächst zurückhaltend. Einige Eigenschaften von DMR schreckten mich ab. In unserer Ortsrunde wurde es kürzlich als „Baggerfunk“ bezeichnet, was die Sachlage auch durchaus trifft. Denn DMR wurde nicht für uns Funkamateure geschaffen sondern für den Betriebsfunk.

So wird z. B. bei jeder Sendung eine rein numerische Nutzerkennung (DMR-ID) übertragen und kein Rufzeichen. Weiterhin hört man bei DMR nicht unbedingt alle Sendungen, die auf der eingestellten Frequenz empfangen werden. Stattdessen ist es vorgesehen nur die Sendungen zu empfangen, die sich an die eingestellten Talkgroups (Sprechgruppen) richten. Wenn ich auf einer Frequenz lausche, kann es also durchaus vorkommen, dass zwar eine Sendung empfangen wird, diese aber nicht zu hören ist, da die entsprechende Talkgroup nicht im Gerät eingestellt wurde. Für Betriebsfunk ist das sehr praktisch, da jeder ja nur das nötige hören soll. Im Amateurfunk ist es jedoch eigentlich üblich alles hören zu können. Weiterhin ist die verwendete Sprachkodierung mittels Advanced Multi-Band Excitation (AMBE) patentrechtlich geschützt und nicht frei verwendbar.

„Baggerfunk“

Dennoch bietet DMR die Möglichkeit sich mit digitaler Sprechfunktechnik zu beschäftigen. Bereits für unter 100 Euro sind vollwertige DMR-Handfunkgeräte erhältlich, mit denen der Einstieg in das Thema problemlos möglich ist. Ich habe mir so ein günstiges Gerät aus China bestellt, das TYT MD-380 für rund 85 Euro. Neben dem günstigen Preis war für mich ausschlaggebend, dass es mit den von Travis, KK4VCZ entwickelten md380tools eine Erweiterung der Firmware des Gerätes gibt, die nützliche Funktionen für den Betrieb im Amateurfunk nachrüstet. Dies löste auch einige meiner Zweifel auf, denn mit dieser Erweiterung kann mir das Gerät zu jeder DMR-ID das zugehörige Rufzeichen (und Namen) anzeigen. Außerdem ist es möglich Sendungen auf einer Frequenz unabhängig von den eingestellten Talkgroups mitzuhören.

Ich hatte mir vorsorglich schon bei der von Hans, DL5DI betriebenen Registrierungsseite eine DMR-ID zugelegt, denn diese braucht man um mitfunken zu können. Wenige Tage nach der Registrierung erhielt ich meine Nummer 2621411, die mit meinem Rufzeichen verknüpft wurde. Als das Gerät kam, konnte ich jedoch trotzdem nicht einfach funken, denn eine Frequenzeingabe sucht man vergeblich. Es müssen zunächst Kanäle programmiert werden, die dann über den Kanalwahlschalter ausgewählt werden können. Am Funkgerät selber kann die Programmierung nicht vorgenommen werden, sondern nur mit Hilfe eines Computers.

Nachdem ich dann eine Programmierung für das nächstgelegene DMR-Relais DB0TA durchgeführt hatte, konnte ich endlich loslegen. Ich wählte die Talkgroup 2621 (Berlin-Brandenburg) aus und rief „Delta Lima 1 Papa Zulu – Test“. Sofort bekam ich eine Antwort und wusste, dass alles geklappt hat. Dann rief ich den Parrot (Papagei) unter der Nummer 262997 im Direktruf an und bekam kurz darauf einen Rückruf und mir wurde meine eigene Sendung wieder vorgespielt. Ich hörte noch in verschiedenen weiteren Talkgroups zu, z. B. 262 für Deutschland und 91 für Weltweit. Diese Talkgroups sind Teil des Brandmeister-Netzwerks, dem zur Zeit größten DMR-Netzwerk für Funkamateure. Es verbindet weltweit über 2.500 Repeater und über 8.000 Hotspots.

Übersichtsseite des Brandmeister-Netzwerks

Beim Funkbetrieb mit DMR fiel mir immer wieder auf, dass alles völlig ohne Rauschen ablief und die Sprache stets gut verständlich war. Nur klangen die Stimmen unnatürlich. Ich hatte zunächst den Eindruck, es würde undeutlich gesprochen werden, tatsächlich liegt es aber an dem bei DMR verwendeten digitalen Sprachkodierer.

Nach den ersten Experimenten wollte ich die schon erwähnte Erweiterung der Firmware ausprobieren. Diese musste ich zunächst herunterladen, kompilieren und dann auf das Gerät schreiben. Dann konnte ich die neuen Funktionen ausprobieren. Ich kann jetzt mehr Einstellungen direkt am Gerät vornehmen, z. B. eine noch nicht programmierte Talkgroup auswählen. Im Promiscous Mode kann ich Sendungen unabhängig von der Talkgroup bzw. der angerufenen DMR-ID verfolgen. Außerdem sehe ich jetzt während jeder Sendung auf dem Bildschirm das Rufzeichen der Station sowie Name und Land.

Bildschirmanzeige beim Empfang von Silvo, DM9KS auf der Twitter-DMR-Runde

Trotz aller Funktionalität wird DMR den analogen FM-Betrieb nicht einfach ganz ablösen. Die Geräte sind aufwändiger und analoger Funk hat auch seine eigenen Vorteile: Bei einem guten Signal klingt die Stimme einfach deutlich natürlicher und bei schlechten Empfangsbedingungen kann „per Gehör“ eine bessere Empfangsposition aufgesucht werden während bei DMR das Signal entweder dekodierbar ist oder eben nicht und das Gerät stumm bleibt. Dennoch halte ich DMR für eine spannende Bereicherung für unser Hobby und ein interessantes Feld für Experimente insbesondere auch im Bereich der Zusammenschaltung von Relais als Netz. Es fördert die Kommunikation untereinander und nicht zuletzt macht es auch einfach Spaß auf den Talkgroups unterwegs zu sein.

Björn ist selbständig als Softwareentwickler und Berater tätig. Im Vorstand der Public Software Group e. V. fördert er Open-Source-Software. Er engagiert sich als Vorstandsmitglied des Interaktive Demokratie e. V. für den Einsatz elektronische Medien bei demokratischen Prozessen. Björn ist seit Sommer 2018 Funkamateur und interessiert sich dabei besonders für die Kommunikation mit anderen Menschen und erkundet noch das breite Feld des Amateurfunks.

6 Kommentare zu “Mein Einstieg in den Digitalfunk – Wird FM durch DMR abgelöst?

  1. DMR ist eine tolle Sache. Es ist kein Funk, bei dem ich dad Gerät nur einschalte und dann Betrieb machen kann. Jeder sollte sich mit der Programmierung auseinandersetzen, denn dann versteht man auch das Netz dahinter besser und die vielen Möglichkeiten. FM wird es gefühlt nie vollständig ablösen, aber stark bereichern. Denn plötzlich kann ich mit einem Handfunk in die ganze Welt Kontakt aufnehmen.
    Gruß Stefan

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  3. Ob FM durch DMR abgelöst wird kann heute niemand sagen. Ich hoffe jedoch nicht. Bereits jetzt ist auf den 2m-Relaiskanälen fast nur noch digitales Geknatter zu hören. Man muß sich erst ein neues Gerät kaufen, um ein Gespräch verstehen zu können. Was ist mit den unzähligen hochwertigen VHF/UHF-Geräten, die in den letzten Jahrzehnten für viel Geld angeschafft wurden? Oder sogar selbst gebaut wurden. Sollen wir die jetzt alle in die Tonne kloppen? Bisher haben Techniken immer auf vorhandenes aufgesetzt. FT8 auf KW kann ich z.B. mit einem üblichen SSB-Gerät machen. Bei dem ganzen Digitalkram auf den UKW-Bändern kann nichts vorhandenes genutzt werden, man muß unbedingt was neues kaufen. Und wozu sollte ich mehr Zeit und Energie in die “Programmierung” eines Gerätes stecken als in die eigentliche Funkerei? Das Ding funkt trotzdem nur um die Ecke. Kontakt in die ganze Welt funktioniert nur über die Weiterleitung in irgendwelche Netzwerke, möglicherweise sogar das Internet. Was hat das mit Amateurfunk zu tun? Weltweite Funkkontakte knüpft man über Kurzwelle oder Satellit. Und das ohne “Codeplug”. Unterwegs möchte ich einfach die lokalen Relaiskanäle abscannen und ein Gespräch beginnen. DMR etc. scheint mir eine Spielwiese für Leute zu sein, die sich eigentlich gar nicht mehr wirklich für Funktechnik, Antennen, Wellenausbreitung usw. interessieren, sondern mehr für Computernetzwerke. Okay, man kann das machen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Amateurfunk bietet Platz für vieles. Die völlige oder überwiegende Umstellung der lokalen UKW-Kanäle auf Digitalspielzeug halte ich jedoch für völligen Humbug. Weder die Sprachqualität noch die Reichweite werden besser. Also, so what?

    • Kai Schmidt

      Hallo Manfred,

      man muss auch mal ein wenig über den Tellerrand schauen. In vielen Gegenden ist FM doch nur noch ein großes Funkloch, da ist das schöne, qualitativ hochwertige Handfunkgerät dann nichts weiter wie ein teurer Briefbeschwerer. Kurzwelle, da werden nun aber alle funkbegeisterten Mieter vor Freude hochspringen, wenn da nicht die Antennenproblematik wäre, und selbst wenn man ausreichend Platz für Antennen hat muss man immer noch hoffen das nicht gleich eine Meute paranoider hypochondrische Nachbarn einen lynchen.

      Ich habe mich zum Beispiel am Anfang des Jahres von den ganzen Plunder getrennt. Übrig geblieben ist bei mir: 3x Handfunkgerät (1x C4FM, 2x DMR) und 1x Mobilgerät (C4FM). Und selbst das ist noch überdimensioniert. 1 HFG DMR lasse ich zum Beispiel nur lokal auf der offiziellen Anruffrequenz (digital) mitlaufen. Im vergangenen Jahr war genau nichts zu hören. Könnte also eigentlich auch verkauft werden, aber ich denke nicht das es sich lohnt das MD-380 großartig zu verkaufen. Das Mobilgerät wartet darauf ins Auto eingebaut zu werden, allerdings fehlt mir die Motivation dazu, durchaus möglich das ich das doch noch verkaufen werde. Hauptsächlich bleibt also 2 Handfunkgeräte mit denen ich über mein lokalen digitalen Hotspot in der weiten Welt rein kann, ohne das ich mich mit Vermietern und ähnlichen rumärgern muss. Perfekte Lösung für mich. Und wenn ich das so richtige sehe, scheinbar auch für andere, sonst würden diese digitalen Lösungen nicht so ein Zulauf haben.

      Amateurfunk hat ein breites Beschäftigungsfeld und es ist für jeden was dabei, aber kommt endlich davon runter, die eigenen Interessen als das Nonplusultra darzustellen. Das ist es nämlich nicht!

    • Das sehe ich im Großen und Ganzen auch so. Der nächste Schritt ist dann Zello-“Funk”.
      Als Ergänzung mag das mal Spaß machen, als Ersatz für analog FM hoffe ich mal eher nicht.

  4. Hallo Manfred,
    du sprichst es in deinem eigenen Beitrag an, deshalb will ich es mal aufgreifen. Wieviele verschiedene digitale Betriebsarten für Kurzwelle braucht es denn? 2? 5? 10? 15? Ich weiß nicht, wie viele sich seit Paket Radio entwickelt haben, aber es sind sehr viele verschiedene geworden. Alle nebeneinander her und alle, die mit dem eigentlichen Kurzwellengerät alleine nicht gemacht werden können. Man braucht immer einen PC und Software dazu.

    DMR / D-Star sind Techniken, die ein sowieso vorhandenes Medium mitnutzen. Egal mal, ob das Medium nun Hamnet heisst oder Internet. Das Internet ist für uns im täglichen Leben zum Gegenstand geworden, Privatpersonen als auch Firmen können und wollen teils gar nicht darauf verzichten. Also warum die Selbstkasteiung im Amateurfunk und behaupten, nur die Kurzwelle sei die wahre, echte Kommunikation? Denn sonst muss man auch fragen: Ist die digitale Nachrichtenübertragung von PC zu PC auch “die wahre Kurzwelle”?

    Ein Auto kostet ein Vielfaches eines Funkgerätes, wenn wir mal die Luxusklasse im Funk außen vor lassen. Doch da akzeptieren wir ohne Murren und Knurren, dass wir alle paar Jahre ein neues Produkt kaufen, dessen Preis exorbitant verfällt. Beim Funk jammern wir, wenn das Gerät nach 25 Jahren Ausfallerscheinungen bekommt.

    DMR wird sich etablieren auf seinem Gebiet, ob es Analog ablösen kann, eher nicht. Bereichern wird es.
    Gruß Stefan

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