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Das internationale NCDXF Baken­-System auf Kurzwelle

Es gibt Sachen im Amateurfunk, die sind so genial das man gar nicht oft genug darauf hinweisen kann. Baken sind so eine Sache, und hier im speziellen das “NCDXF Bakensystem” oder auch IBP ‘International Beacon Project’ auf Kurzwelle.

Die NCDXF ist die “Northern California DX Foundation”, also eine Interessensgruppe von DXern wie die deutsche GDXF. In den 1970er Jahren entstand die Idee zu einem Amateurfunk­-Projekt, das auch der Wissenschaft dienen könnte. Da die Ausbreitungsbedingungen nach wie vor viel Raum für Forschung bieten, wurde die Idee eines internationalen Bakensytems geboren.

Anfänglich (1980er) bestand das System aus 5 oder 6 Baken, später (1995) wurde die Anzahl auf 18 erhöht. Und so funktioniert das System:

  • 18 Baken sind relativ gleichmässig um die ganze Welt verteilt, sowohl auf der Nord-­ als auch auf der Südhalbkugel.
  • Jede dieser Baken sendet in einem festen Zeitschema nacheinander auf 5 Bändern: 20, 17, 15, 12 und 10m.
  • Jede Aussendung dauert 10 Sekunden und enthält das Rufzeichen sowie 4 Striche von je einer Sekunde Dauer mit abnehmender Sendeleistung. Das Rufzeichen und der erste Strich wird mit 100 Watt gesendet, die nachfolgenden Striche mit 10 Watt, 1 Watt und 100 Milliwatt.
  • Für die genaue Zeitsteuerung wird GPS verwendet, d.h. jede Bake hat einen GPS­ Empfänger und eine genaue Echtzeituhr.
  • Um die Signale der Baken vergleichbar zu halten benutzen alle eine ähnliche Hardware. Vor allem wird die Sendeleistung gleich eingestellt, und immer eine rundstrahlende Vertikalantenne verwendet.

Durch das Sendeschema hat man in 18 x 10 Sekunden, also in 3 Minuten den kompletten Überblick über die Ausbreitungsbedingungen in alle Richtungen auf einem Band. Oder man folgt einer Bake von Band zu Band und erfährt so in 50 Sekunden auf welchem Band es in eine bestimmte Richtung am Besten geht. Aus diesem Grund haben viele OMs und YLs alle fünf Bakenfrequenzen hintereinander im Speicher abgelegt, die sich schnell umschalten lassen.

Dadurch das die Sendereihenfolge der Baken festgelegt ist und sekundengenau gesteuert wird, weiss man genau welche Bake jetzt gerade sendet. Wenn man dann nichts hört ist das Band in die Richtung halt zu. Oder die Bake ist defekt, das kommt leider auch mal vor.

Die Reihenfolge des Sendeschemas ist wie folgt:

  • 4U1UN auf dem UN­-Gebäude in New York, USA
  • VE8AT in Nord­-Kanada
  • W6WX in Kalifornien, USA
  • KH6RS auf der Insel Maui, USA
  • ZL6B im Süden der Nordinsel Neuseelands
  • VK6RBP in der Nähe von Perth, Westaustralien
  • JA2IGY auf der japanischen Hauptinsel, etwa in der Höhe von Tokyo
  • RR9O in Novosibirsk in Sibirien, Russland
  • VR2B in HongKong
  • 4S7B in der Nähe von Colombo, Sri Lanka
  • ZS6DN in der Nähe von Pretoria, Süd Afrika
  • 5Z4B nordöstlich von Nairobi, Kenia
  • 4X6TU aus Tel Aviv, Israel
  • OH2B nahe Helsinki, Finnland
  • CS3B im Osten der Insel Madeira
  • LU4AA aus der Innenstadt von Buenos Aires, Argentinien
  • OA4B aus Lima, Peru
  • YV5B aus Caracas, Venezuela

Danach ist wieder 4U1UN dran, usw. D.h. das jede Bake von dem insgesamt 180 Sekunden dauernden Zyklus nur 50 Sekunden sendet und 130 Sekunden schweigt. So wird der Sender und die Stromversorgung auch nicht über Gebühr strapaziert.

ncdxf-sendeschema

Um die NCDXF (oder IBP) Baken zu nutzen braucht man nur einen Empfänger und eine Antenne.

Die verwendeten Frequenzen sind meist an der Bandgrenze zwischen den Schmalband­ (CW, Digimodes) und den Breitband­-Modulationsarten (Phonie, Pactor, SSTV usw.) zu finden (Ausnahme 10m):

  • 14100 kHz (20m Band)
  • 18110 kHz (17m Band)
  • 21150 kHz (15m Band)
  • 24930 kHz (12m Band)
  • 28200 kHz (10m Band)

ncdxf-websiteEs gibt es eine Menge nützlicher Hilfsmittel diese Baken zu beobachten, von denen ein paar hier kurz vorgestellt werden sollen.

Die Webseite der NCDXF selbst zeigt sekundengenau welche Bake gerade sendet: http://www.ncdxf.org/beacon/index.html

 

Für Android gibt es eine App, die ebenfalls genau zeigt welche Bake gerade auf welchem Band aktiv ist. Dabei wird auch berücksichtigt, falls eine Bake gerade mal nicht in Betrieb sein sollte. https://play.google.com/store/apps/details?id=com.wolphi.clock&hl=de

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Ein entsprechendes Programm für Apples IOS gibt es bei iTunes: https://itunes.apple.com/de/app/hf­beacons/id313919415?mt=8

ncdxf-itunes

Darüberhinaus gibt es eine Reihe von Programmen für Windows, Linux und Mac, die die Baken ebenfalls anzeigen. Im DX­-Cluster werden diese Baken ebenfalls berücksichtigt.

Wie schon geschrieben, kommt es vor das die Baken auch mal ausfallen. Manche Systeme waren schon mehrere Monate ‘off the air’, weil sich kein Betreuer vor Ort finden ließ, der den Sender oder die Antenne reparieren konnte. Sowas ist bei einem hobbymäßig betriebenen Projekt leider manchmal nicht zu vermeiden.

Der Betrieb dieses weltumspannenden Systemes, das nicht nur Funkamateuren aktuelle Ausbreitungsinformationen liefert, kostet viel Mühe und Geld. Wenn Sie also beim nächsten Mal nicht wissen wohin mit einer sinnvollen Spende ­die NCDXF freut sich über jede Unterstützung.

Viel Spaß bei der Bandbeobachtung mit den NCDXF Baken!

Ekkehard (Ekki) Plicht ist seit seinem 16 Lebensjahr lizensierter Funkamateur (DF4OR) und noch viel länger SWL. Ein besondereres Interesse liegt auf dem, was man früher mal ‘Sonderbetriebsarten’ genannt hat, heute nennt man es Digimodes. Daneben gibt es etwas Aktivität auf KW und UKW in CW und RTTY-Contesten. Ekki arbeitet bei WiMo in Herxheim.

3 Kommentare zu “Das internationale NCDXF Baken­-System auf Kurzwelle

  1. Pingback: Das internationale NCDXF Baken­-System auf Kurzwelle – dxradio.de

  2. Hallo. Super Beitrag. Suche ehrlich gesagt schon länger brauchbare Infos zu den Baken, Sendezeiten, Frequenzen, … um die Ausbreitungsbedingungen abstecken zu können.
    Danke für die Bemühungen!
    73, de OE3DES

  3. sehr interresant, als wellenjäger bestens zu gebrauchen !! gruss DE1DWS

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