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Warum Software-Defined-Radio aus meiner Sicht so spannend ist?

Ich hatte neulich ein Telefonat mit Johnny, DK9JC vom Amateurfunk-Blog. In unserem Gespräch kam das Thema irgendwie auf Software-Defined-Radio und er sagte mir, dass er sich bisher nicht tiefer damit beschäftigt hat. Er fragte mich, warum diese Technologie so interessant ist und welchen Vorteil ein SDR für ihn hätte. Ich habe dann ein paar Kernpunkte genannt, doch so richtig überzeugt war er nicht.

Ich denke seit diesem Telefonat immer wieder über die bisher genutzten und auch bisher ungenutzten Möglichkeiten im Bereich SDR nach. Dieser Artikel soll einige Vorteile von SDR beleuchten und wirft außerdem einen ketzerischen Blick in die Zukunft.

  1. Trennung von Hard- und Software
    Je nach Konzept sind die zu einem SDR gehörenden Software- und Hardware-Komponenten eng miteinander verzahnt. Eine Auftrennung bzw. ein stark modularer Aufbau macht aus meiner Sicht in vielen Bereichen sinn. Besonders beim Benutzerinterface, denn was nützt ein super Empfänger, wenn es ein Krampf ist, ihn zu bedienen? Oder eben umgekehrt? Meiner Meinung nach sollte das ideale SDR-System modular aufgebaut sein. Einzelne Komponenten sollten sich beliebig tauschen lassen. Das Bedienmodul könnte z.B. sowohl als Software und als Hardware existieren. Der Anwender wählt eben das was ihm zusagt. Das geht zwar teilweise schon heute, aber man könnte das ganze auch auf die Spitze treiben.
  2. Amateurfunkbänder aufnehmen und später wieder abspielen
    Selbst preiswerte SDRs haben heutzutage eine hohe Bandbreite. Mein SDRplay hat beispielsweise eine Bandbreite von 8 Mhz. Das ist für viele Amateurfunkbänder mehr als genug. Ich könnte z.B gleichzeitig die drei Amateurfunkbänder 80m, 40m, und 30m einfach eine Zeit lang aufnehmen und auf der Festplatte abspeichern. Damit meine ich nicht die demodulierten Signale, sondern die kompletten empfangenen Rohdaten. Diese Rohdaten kann ich später wieder in meiner Software abspielen und beliebige Bereiche innerhalb der Aufnahme demodulieren.Das ist doch total cool für Leute, die Contests machen. Einfach am Contest teilnehmen und danach nochmal in Ruhe das Band abspielen lassen und hören was die anderen Teilnehmer so gemacht haben.
  3. Unterschiedliche Frequenzen gleichzeitig hören
    Mit SDR ist es im Prinzip möglich mehrere Frequenzen gleichzeitig abzuhören. Das finde ich besonders für Digimodes interessant. Einfach den PSK-Bereich auf ein Audiokabel legen und in Fldigi verarbeiten; dann den Bereich für JT65 auf ein anderes Audiokabel legen und auch diese Signale dekodieren.Was damit möglich wäre? Wie wäre es mit einem WSPR-Empfänger, der gleichzeitig die Ausbreitungsbedingungen in mehrerern Bändern dokumentiert?
  4. Applikationen, die es heute noch gar nicht gibt
    Die SDR-Technologie bietet uns heute schon sehr viele Möglichkeiten. Allerdings sehen wir heute erst die Spitze des Eisbergs. Im Amateurfunk nutzen wir bisher wirklich nur einen kleinen Bruchteil aller Möglichkeiten. In den nächsten Jahren werden viele spannenden Anwendungsfälle dazu kommen, an die wir jetzt noch gar nicht denken.In meinen Vorstellung gibt es beispielsweise schon eine Applikation, die mich automatisch über Bandöffnungen informiert, die für meinen QTH wirklich relevant sind. Als Datenbasis für die Entscheidung nimmt die Applikation aber nicht irgendwas aus dem DX-Cluster, sondern das was meine Antenne wirklich empfangen hat. Ich drücke die Funktionsweise mal in einem Satz aus: Wenn drei DX-Stationen im 10m Band empfangen wurden und die Entfernung größer als xxxx km war, dann schreibt die Applikation mir eine Mail und/oder sendet eine APRS-Message aus.Und wenn ich nicht zuhause bin, könnte ich mich via Internet in meine Remotestation einloggen und die Bandöffnung dennoch nutzen.

    Eine zweite Applikation, die es im Bereich des Amateurfunk-QSOs noch nicht gibt, sind Bots. Jeder alte Hase, der bei IRC an einen Chat und nicht an den Versand von QSL-Karten denkt, kennt sie. Bots erledigen automatisierte Aufgaben. Lässt sich ein QSO automatisieren?  QSOs in JT65 sind inhaltlich auf das absolut notwendigste reduziert. Ich als Mensch muss nur ein paar mal klicken, um ein Standard-QSO abzuwickeln. Ein Computer bräuchte nur einen entsprechenden Algorithmus und könnte den Job alleine machen. Das wäre schon heute möglich, es müsste nur jemand programmieren…

Ich bin über das Thema SDR überhaupt erst zum Amateurfunk gekommen. Spätestens, wenn noch mehr Fachleute aus der IT-Branche über den Umweg SDR zum Amateurfunk kommen, wird es solche Innovationen geben und wir werden die Möglichkeiten von SDR voll ausschöpfen. Ob wir jede Innovation wollen und brauchen sei mal dahingestellt. Auch ob jede Innovation wirklich nützlich ist, wird sich erst noch zeigen.

 

Ich arbeite in einem IT-Systemhaus und bin überwiegend mit der Administration von Mail-Servern beschäftigt. Derzeit beschäftige mich viel mit VHF/UHF, APRS und HAMNET. Darüber hinaus sammle ich Erfahrungen im Antennenbau.

11 Kommentare zu “Warum Software-Defined-Radio aus meiner Sicht so spannend ist?

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