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Radio Hacking

Seitdem ein paar schlaue Köpfe DVB-T Dongles mit Reverse Engineering „aufgemacht“ , und damit für universelle SDR Software zugänglich gemacht haben, ist „Radio Hacking“ in, und das nicht nur in der altgedienten Riege der Funkamateure, die sich noch an die Betriebsart AM erinnern können, sondern vor allem auch bei der jüngeren Generation der Hacker und Maker.

Durch das Radio Hacking wird aus sehr billiger, aber dabei sehr leistungsfähiger Hardware plötzlich etwas ganz Neues, das – abgesehen von den physikalischen Limits, die jeder Hardware nun einmal innewohnt – nur von der Genialität der Software, mit der man das Ganze nun ansteuert, begrenzt wird.

Beim DVB-T-Dongle, besser bekannt (nach dem Hersteller des Chips) als RTL-Dongle, war die Hardware vor allem deswegen so billig, weil sie einen Massenmarkt bediente. Ähnlich war es auch bei den diversen Open Source Modifikationen für WLAN Router, die es nun auch dem Funkamateur ermöglichten, mit kostengünstiger Hardware leistungsfähigen Datenfunk zu betreiben – das Ergebnis ist HAMNET, das „Internet“ der Funkamateure.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Hacker auch der etwas spezialisierteren Hardware angenommen haben. In unserer Community ja schon lange berühmt-berüchtigt sind die diversen Baofeng Handfunkgeräte – technisch ja vor allem deswegen interessant, weil sie nicht mehr auf analoger Radiotechnik basieren, sondern auf SDR Hardware. Softwaremäßig sind sie halt auf das beschränkt, was die Entwickler dieser chinesischen Firma für „gut“ und „alltagstauglich“ befinden. Da wäre es doch geradezu erstaunlich, wenn sich nicht jemand fände, der diese Beschränkungen zu knacken versucht.

Einer dieser „jemands“ ist Lior Elazary, KK6BWA, der immer wieder über seine Bemühungen berichtete, das UV-5B, das UV-3R und schließlich das UV-5R von Baofeng softwaremäßig zu modifizieren.

Vor einer guten Woche wurde nun ein neuer Hack bekannt, der möglicherweise doch das Potential hat, ein neuer „Meilenstein“ in der Geschichte des Radio Hackings zu werden. Travis Goodspeed, KK4VCZ, hat, wie „hackaday.com“ berichtet, auf der „Shmoocon“ Konferenz vorgestellt, wie er das Tytera MDR Handfunkgerät MD380 gehackt hat, mit Unterstützung von Christiane, DD4CR,  und Patrick, W7PCH. Dieses Gerät ist in Europa für etwa 130€ auf dem Markt. Während es im ersten Schritt nur möglich war, die Original Windows Software zum Erstellen eines Codeplug durch eigene Software zu ersetzen, konnte im nächsten Schritt auch die Firmware des Geräts soweit geknackt werden, dass man dem Gerät neue Funktionen zuordnen kann. Im vorgestellten Hack war das eine Scanfunktion, die es erlaubt, jeglichen DMR Verkehr mitzuhören, unabhängig von der jeweils verwendeten Sprechgruppe (Talk Group). Durch das erfolgreiche Reverse Engineering sollte es aber auch möglich sein, die Hardware für viele andere Zwecke zu „missbrauchen“ – es ist schon die Rede davon,  D-Star und System Fusion auf der Funke zu implementieren…

Der Originalartikel des Vortrags auf der Shmoocon kann übrigens auch von hackaday als pdf-Datei heruntergeladen werden (es sind dies die gesamten Proceedings, der uns interessierende Artikel beginnt auf Seite 76). Und ja, Travis hat seine Software Modifikationen auch auf Github veröffentlicht.

Es könnte durchaus sein, dass bald ein ziemlicher Run auf diese Geräte einsetzt, die derzeit wohl ohnehin die billigsten DMR Geräte auf dem Markt sind….

Funkamateur seit 1967 (Lizenzprüfung ohne Morsen) bzw. 1968 (Morseprüfung). 1st QSO 20.7.1968. Nach vielen sehr interessanten Berufsjahren in IT und Informationssicherheit (in sehr internationalem Umfeld) nun im Ruhestand, wo mehr Zeit bleibt für die diversen Hobbies. Neben dem Amateurfunk sind das u.a. Photographie, Malen, Singen, Reisen, Camping & Wandern.

8 Kommentare zu “Radio Hacking

  1. Ein Video zum Vortrag von Travis Goodspeed gibt es auch:
    https://www.youtube.com/watch?v=QSq_bVX2to8

  2. Pingback: News zum Tytera MD380 = Firmware Hack | Amateurfunk News in und um Oberbayern

  3. Na mal abwarten wie sich das entwickelt. Sehr optimistisch bin ich dabei jedoch nicht. Oftmals hat man ja nach Firmwarehacks moderner Geräte dann doch eher etwas, was sich halbfertig anfühlt. Das das alles nicht so einfach ist, sieht man ja am DV4mini, der von der Idee ja ein schönes Stückchen Hardware ist, aber in der Praxis dann doch etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt. Gefühlt sind da doch sehr viele verpixelte Übertragungen zu hören.

    Allerdings würde ich es begrüssen, wenn ich mein Typ auf C4FM unflashen könnte 😉

  4. Leute, die Kollegen, die den DV4Mini und die Software machen, haben alle nen normalen Job.
    Daher und auch weil es Amateurfunk ist, verlangt bitte nicht immer im ersten Wurf ein Gerät, was wie ein kommerzielles Gerät läuft.
    Macht das einfach mal und setzt euch hin und entwickelt so etwas wie dass die 3 DV4Mini Entwickler DG1HT, DJ0ABR und DG8FAC gemacht haben, wieviel Arbeit in der Entwicklung der Hardware und Software steckt. Und man muss es erst einmal können. Die Jungs haben auch Familien und wollen ab und an auch bestimmt einmal einfach nur Funken….. Und sie arbeiten ja schon am nächsten Projekt und die Erfahrungen werden bestimmt in den DV4Mini einfliessen.
    Also überlegt, was ihr scheibt und dafür, dass es ein Freizeit Projekt ist, finde ich funktioniert der DV4 Mini super

    73 de DG9BDI/HB9GFX

    • Was du sagst ist vollkommen richtig. Die Kritik an der Software zum DV4mini ist aber dennoch berechtigt. Mit quelloffener Software (das wurde ja mal als Verkaufsargument vorgetragen) und öffentlicher Dokumentation, wäre das Projekt heute wesentlich weiter. Was den Client angeht, sind ja inzwischen andere Entwickler mit brauchbaren Alternativen ins Feld gesprungen.

      Ich habe den Stick, die anfängliche Begeisterung ist schnell gewichen.

  5. Ja beim DV4MINI ist der Wurm drin. Mit den technischen Beschränkungen kann man ja leben, jedoch die fehlende Transparenz ist der Kritikpunkt. Es fängt an mit Firmware ohne Changelog über „Es rührt sich nichts mehr“ bis hin zu Mimosenhaften Antworten im Supportforum nur wenn man Fragen stellt. Selbst berechtigte Fragen wurden meist nicht beantwortet. In dem ganzen scheint aber ein System zu stecken, auch das DMR+ Netz ist da sehr sparsam.

    Ich bin inzwischen auf DVMega und Brandmeister umgestiegen. Das einzige was mich am DV4MINI noch stört ist das ich den nutzlos in der Schublade liegen habe und wenn ich im Brandmeister mal wieder verpixelte Übertragungen von Hotspots mit diesem Stick höre.

    Aber jeder muss da seine eigenen Erfahrungen machen. Nur weil meine nicht berauschend sind muss das nicht für alle anderen auch gelten.

    73 de Kai

    • Hallo Kay, ich benutze einen Stick für DMR und einen für DStar.
      Beide werden mit einem Raspberry betrieben.
      Die Software DV4Mini ist Open Source und kann auf Anfrage von den Kollegen, die ich oben schon erwähnt habe bezogen werden. Das DV4MIni Compact ist daraus entstanden. Eine Doku, wie man den Stick anspricht gibt es auch. Also Macht euch ans entwickeln und liefert etwas, was besser funktioniert. Oft liegt es auch an den PCs oder an der Konfiguration des RPis sowie an einer instabilen Internetverbindung. Die DVSerial ist sehr empfindlich auf Abbrüche und dann recovered die nicht und die Soft hängt isch weg. Ja verbesserungswürdig, aber wenn man das weiss, baut man halt nen Monitor mit beim RPi ein und rebootet einfach wenn die DV Serial nicht mehr läuft.
      Wer das Raspian Lite mit LCD haben möchte kann es bei mir runterladen. Beide Versionen mit verschiedenen LCDs laufen bei mir seit Wochen ohne Absturz. Ich habe sicher auch manchmal ein Problem mit dem „Klötzeln“ aber ich habs mir erklären lassen. Der DV4 Mini macht ein bischen zuviel Hub und die Icoms oder auch Hyteras erwarten genau 6,25 khz Hub um sauber zu dekodieren. Weiterhin ist es unerlässlich, dass die Frequenzkorrektur genau eingestellt ist. Wenn das eingehalten wird funktioniert es in aller Regel. Ich hab für den zu hohen Hub noch keine Lösung, aber vielleicht wird sich da bald was tun.
      Kai wenn du deinen DV4Mini loswerden willst, und bevor du ihn entsorgst, ich kann dir wohl meine Adresse mitteilen 🙂
      Hier der Link zum Download: https://www.dg9bdi.de/downloads/DV4Mini-Raspberry/
      Da gibts mehrere Images für verschiedene Displays oder auch mit HDMI

      Probiert sie mal aus und gebt mir Feedback auf:
      https://www.dg9bdi.de/blog/

      73 de Stefan DG9BDI/HB9GFX

      • Kai - do9kai

        Moin Moin Stefan,

        richtig ist, das bei OSS die Sourcen nicht automatisch zum Download bereit stehen müssen. Zumindest in der GPL* steht (frei aus dem Kopf zitiert) „… auf Verlangen …“

        Darum geht es mir aber auch nicht. Sondern ich bin ja raus aus der Geschichte weil es eben doch (aus meiner Sicht) sehr amateurhaft verwaltet wird.

        – Die Entwickler schotten sich ab. Direkter Kontakt erscheint nicht erwünscht,

        Das wäre ja nicht das Problem, wenn

        – es ein Bugtracking System geben würde, wo der Anwender Fehler melden, ggf. sehen kann ob sein Problem evtl. schon behoben wurde.

        Gibt es aber nicht, anstelle dessen gibt es nur eine Yahoo Gruppe, die man nur lesen kann, wenn man sich auch ein Yahoo Account anschafft. Wer das nicht möchte hat eben Pech gehabt.

        Meldet man Fehler/Probleme in dieser Yahoo Gruppe ist es sehr wahrscheinlich das man sich die Mühe umsonst gemacht hat. Klar allgemeine Fragen zu DMR(+) werden dort im Regelfall mehr oder weniger originell beantwortet, mehr aber auch nicht. Technische Probleme beim DV4Mini nur Achselzucken (wenn überhaupt). Das sich dort mal einer der Entwickler zu Wort gemeldet hat, wurde auch nicht beobachtet.

        Daher bleibt einem dann nur abzuwarten, bis neue Software released wird, in der Hoffnung das man dann mit Try and Error schauen kann, ob das eigene Problem gelöst ist. Weil ein Changelog zu Änderungen wird im Regelfall nicht veröffentlicht. Wen es hochkommt werden in kurzen knappen Worten mal ein neues Feature verkündet.

        Wenn dann Leute in dieser Yahoo Gruppe dieses kritisieren (Achtung: Es gibt auch possitive Kritik), dann werden diese Leute gleich als Nörgler, Querulanten, Miesmacher etc. abgestempelt. Und zwar von einem der scheinbar diesem Projekt recht nahe steht.

        Amateurfunk steht nicht nur für „ich sitze in meiner Bastelecke und löte und entwickel vor mich hin“ sondern Amateurfunk ist auch Kommunikation, und gerade bei dieser Kommunikation hat das Projekt DMR+/DV4Mini sehr starke Defizite. Ich hatte DMR beinahe schon vergessen, als ich auf DVMega und BrandMeister aufmerksam geworden bin. In dieser Kombination fühle ich mich sehr gut aufgehoben! Dort hat man es verstanden. ABER: Das ist meine Meinung, jeder der sich mit DMR beschäftigen will, sollte sich eine eigene Meinung dazu bilden.

        Zum Thema: Abgabe des DV4Mini
        Ich habe den Stick in Kombination mit einem Hytera PD365 angeboten, was da an Geboten kam war dann doch eher eine Frechheit (Zitat, ok für das gebrauchte Zeug gebe ich dir 50 Euro). Ne dafür kloppe ich lieber mit dem Lehmann drauf rum. Und verschenken kommt nicht in Frage, nicht weil ich Geldgeil bin, sondern weil zumindest der DV4Mini technisch mich nicht überzeugt hat. So etwas kann ich nicht mit ruhigen Gewissen verschenken!

        73 de Kai, do9kai

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