Equipment

SDR mit dem DVB-T-Dongle

“Oh nein, nicht noch ein Grundlagenbeitrag über die schrottigen Billigteile“ wird ein Teil der Leser denken.
Aber es gibt gute Gründe, hier nochmal ein paar Grundlagen zusammen zu fassen:

 

  1. Der RTL-SDR ist ein toller Einstieg in die Welt der „Funkverseuchten“
  2. Das Teil bringt unglaublich viel Spaß für wenige Euro
  3. Man damit mehr anfangen, als man es erstmal vermuten könnte
  4. Gerade für Leute, die bisher nicht viel mit Funk oder gar Amateurfunk zu tun hatten, aber am Rechner recht fit sind, bietet der RTL-SDR eine prima Grundlage

Die DVB-T-Dongles sind also zusammengefasst eine tolle Einstiegsdroge 🙂 Damit der Spaß überwiegt, darf der Anfang aber natürlich nicht zu frustrierend sein. Also will ich hier versuchen, die wichtigsten Informationsquellen zusammen zu fassen, ohne auf jeden einzelnen Schritt detailliert einzugehen. Dazu gibt es einfach schon zuviele hervorragende Anleitungen im Netz.

RTL-SDR – Was geht, was nicht?

DB0MMO 70cm

DB0MMO 70cm

Der RTL-SDR basiert auf DVB-T-Dongles, die ja grundsätzlich schon mal dafür gebaut wurden, als Empfänger zu funktionieren. Aber sie sind eben keine Hardware, die auf besonders hohe Empfindlichkeit, Störfestigkeit und Dynamikumfang ausgelegt sind. Also eigentlich alles das, was wir uns von einem guten Empfänger wünschen. Tatsächlich verpasst man den Teilen einen modifizierten Treiber und nutzt sie damit in einem Umfang, für den sie eigentlich nicht gebaut wurden. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man sich über deren Eigenheiten aufregt.
Warum treiben wir also den Aufwand und stecken Zeit und Geld in den Quatsch?
Trotz der Einschränkungen geht einiges mit den kleinen Gerätchen, was man ihnen nicht zutrauen würde. Für ein paar Euro bekommt man einen Empfänger, der einen großen Empfangsbereich abdeckt, wo für den Einstieg die interessantesten Funkdienste unterwegs sind. Da die Demodulation, also das Erzeugen von verwertbaren Audio- bzw. Datensignalen, durch Software geschieht, muss man sich nicht auf den Empfang von FM Sendern beschränken, wie es bei günstigen Scannern der Fall ist. Außerdem lässt sich mit Hilfe der Software eine ganze Menge über verschiedene Frequenzbereiche, deren Belegung und deren Nutzer lernen, dazu wird es aber in späteren Beiträgen mehr Infos geben.
Kurz zusammengefasst, will man besonders exotische Frequenzbereiche abdecken, schwächste Signale empfangen oder befindet man sich sehr nahe an starken Sendeanlagen, dann kommt der RTL-SDR schnell an seine Grenzen. Für den Einstieg bietet er, gemessen an Preis und Hardwareaufwand extrem viel!

Wer nun glaubt, dass er mit wenig Aufwand digitalen Funkverkehr, wie TETRA oder GSM mithören kann, irrt sich gewaltig. Dazu braucht es einfach Sitzfleisch und Wissen, ganz abgesehen davon, dass man sich auf dünnes Eis in Bezug auf die Rechtslage bewegt.

RTL-SDR – Wo bekomme ich Infos?

Wie oben schon geschrieben, es gibt mittlerweile viele Seiten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Natürlich kommt man am weitesten, wenn man vor englischsprachigen Seiten keine Angst hat, aber man sollte es auch so schaffen. Zur Not gibt es ja noch Übersetzer, bspw. von Google, um zumindest bei einzelnen Begriffen weiter zu kommen. Der Einstieg bedeutet leider sehr viel lesen, ausprobieren und manchmal auch an kleinen Problemen scheitern. Aber es ist kein Hexenwerk und das Durchhalten lohnt sich auf jeden Fall, also nicht zu früh aufgeben!

Die Jungs, die damals mal angefangen haben mit den RTL-SDRs findet Ihr unter osmocom.org Auch wenn die Seite nicht besonders hübsch und übersichtlich erscheinen mag und die Informationen teilweise auch recht alt erscheinen, hier schlummert so einiges an Infos für den Einsteiger.

Ein Blog, welches mittlerweile so ziemlich alles bereit hält, was es zum RTL-SDR gibt, ist rtl-sdr.com Besonders sei hier der Quick Start Guide empfohlen, der eigentlich schon den kompletten Einstieg darstellt. Ebenfalls ist dort ein Kindle-eBook erhältlich, welches aber keine besonders neuen Erkenntnisse beinhaltet, sondern in erster Linie das Blog zusammenfasst. Wer die Informationen gerne gebündelt hätte, kann aber trotzdem mal einen Blick riskieren.

Eine tolle Quelle, aber ebenfalls furchtbar unübersichtlich und für den Einsteiger bedingt tauglich ist superkuh.com. Lasst euch nicht vom Layout abschrecken und schaut immer mal wieder drauf, man entdeckt mit zunehmendem Wissen immer mal wieder etwas Neues, das einem tatsächlich weiterhelfen kann.

Mittlerweile finden sich auch einige deutsche Anleitungen im Netz, da sollte man sich einfach mal durchklicken, da es doch recht individuell ist, inwiefern man mit einer Anleitung tatsächlich zurecht kommt. Natürlich könnt Ihr einfach mal diverse Begriffe durch Google jagen, oder mal bei DC2HC oder INet4you schauen. Außerdem gab es mittlerweile diverse Artikel in Zeitschriften dazu. Kostenlos verfügbar ist der Beitrag aus der CQ DL, im Funkamateur findet man mittels der Archiv-Suche auch einige Beiträge und in der c’t Hacks war unser Objekt der Begierde auch schon in den Ausgaben 2/14 und 4/14 Thema.

RTL-SDR – Wie geht’s weiter?

Das waren jetzt schon mal jede Menge Infos, die man erstmal verdauen muss. In den kommenden Wochen werde ich noch auf Bereiche wie die verwendete Hardware, Software und was man damit überhaupt anstellen kann, eingehen. Somit waren die vorherigen Zeilen der Einstieg ins Thema, konkreter wird es dann demnächst.

Habt Ihr bestimmte Wünsche, worauf besonders eingegangen werden soll? Wie sind die grundsätzlichen Erfahrungen mit den Dongles, Spaß für wenig Geld oder billiger Müll der nur Zeit frisst? Schreibt in die Kommentare, was Ihr davon haltet und was euch besonders in diesem Themengebiet auf dem Herzen liegt!

über

Drückt sich seit Jahren vor der Lizenz, aber 2016 soll es endlich soweit sein. Besondere Interessen sind die Frequenzen oberhalb von 30 MHz und digitale Betriebsarten, dort hauptsächlich mit dem RTL-SDR unterwegs. Wenn Funk gerade eine geringere Rolle spielt, dann mit dem Rad oder zu Fuß in der Natur unterwegs und dem Fotoapparat im Schlepptau. Mehr auf Twitter: @kermit_t_f

5 Kommentare

  1. Die meisten Artikel, welche ich über RTL-SDR lese handeln davon, wie die kleinen Dinger als reine Empfänger eingesetzt werden. Ich habe zwangsläufig mit verschiedenen SDR zu tun und muss dazu sagen, der Einsatz als Kommunikationsempfänger ist nur ein kleiner Teil dessen, was man damit machen kann. Ganz einfaches Beispiel, ich habe hier einen FT-2k der bekanntlich die Möglichkeit hat über externe Hardware auch ein Bandscope zu liefern. Nun kostet diese Einheit schlappe 1400.- EUR. Es geht aber auch mit einem SDR-Empfänger. Einzige Voraussetzung ist, er muss 69,450 MHz empfangen und da fallen die Empfänger mit einer Umschaltung KW/UKW fast alle raus. Anderes Szenario … Jemand will wissen wo er für sein Handy die Außenantenne am besten positioniert. Mit einem Pi und einem SDR ist das schnell heraus gefunden. Es gibt jede Menge Möglichkeiten für das Ding aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, die Leute suchen keine Anregungen sondern fertige Lösungen.

  2. Du hast natürlich völlig recht, die Möglichkeiten sind echt vielfältig und wenn ich mir so ansehe, wo die Reise mit HackRF, BladeRF so hingeht, dann stehen wir noch am Anfang.
    Erstmal wollte ich einen Einstieg ins Thema liefern, gerade weil es für Anfänger interessant ist, die vielleicht so auch in den Amateurfunk finden. Aber es wird sicher noch detaillierter und gerade dein letzter Absatz ist etwas, was ich so ähnlich auch schon mal überlegt hatte und wo ich ein paar Ideen für interessante Blogbeiträge habe.
    Genug geteasert, es kommt noch mehr, versprochen!

  3. Ich bin über das Thema RTL-SDR zum Amateurfunk gekommen. Als Systemtechniker und Linuxer war es für mich äußerst reizvoll, durch einen modifizierten Treiber andere Sachen mit einer Hardware machen zu können. 4 Monate später hatte ich ein Rufzeichen.

  4. Hallo DO1SIL Silio, wie mir bekannt haben Sie den DX-Patrol getestet für WIMO!
    Ich habe mir auch einen DX-Patrol MK3 angeschafft von WIMO, muss Ihnen aber berichten, das dieser bei mir nicht funktioniert. Ich suche eine Passende Software
    den ich vermute, das dieser einen ganz anderen Chip und Tuner drinnen hat!
    Vielleicht können Sie mir in der Sache weiter helfen – ich würde mich freuen um eine Antwort von Ihnen zu bekommen!

    Freundliche Grüße aus Stadtbergen
    13 DK002, Dieter!

    • Hallo Dieter,

      ja, ich habe die Version MK2 testen dürfen. WiMo benennt die Unterschiede zwischen den Versionen eindeutig. Von einem anderen Tuner steht da nichts.

      Hast du die Installationsanleitung befolgt? Du findest sie auf der Webseite von Wimo zum Download.

      http://www.wimo.com/download/DXpatrol-SDR_MK3.pdf

      Welches Betriebssystem nutzt du?
      Falls es Windows ist, was zeigt der Gerätemanager an?
      Sind sämtliche Treiber korrekt installiert?
      Welche SDR- Software nutzt du? (SDR# ist für den schnellen Einstieg eine gute Wahl.)

      73, Silvio

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