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Amateurfunk-Nachwuchsförderung im „Hackerspace“

In vielen Städten gibt es inzwischen Einrichtungen, die sich als „Makerspace, Hackerspace“ oder „Fab Lab“ verstehen. Während „Fab Labs“ eher ihren Schwerpunkt in der Bereitstellung technischer Infrastruktur und damit verbundener Dienstleistungen sehen, stehen bei den Makerspaces und Hackerspaces enablement (Ermöglichen) und enrichment (kulturelle Bereicherung) für Personen und Gruppen im Vordergrund.

Im ältesten Wiener Hackerspace (inzwischen gibt es drei solche Einrichtungen in Wien), dem Metalab, wird seit einigen Jahren sehr erfolgreich Amateurfunk-Nachwuchspflege betrieben – jedes Jahr finden dort Linzenzprüfungs-Vorbereitungskurse statt; in einer zweiten ähnlichen Einrichtung scheint sich derzeit auch in diese Richtung was zu tun.

Inzwischen ist MetaFunk, die Amateurfunkgruppe des Metalab Wien, sogar eine eigen ADL (wie Ortsstellen in OE heißen), und es finden neben den Kursen auch regelmäßige Treffen mit Vorträgen etc. statt.

Hackerspaces scheinen der ideale „Nährboden“ für den Amateurfunknachwuchs zu sein, und um vielleicht einigen von Euch den Kontakt mit solchen Gruppen schmackhaft zu machen, habe ich sowohl einen „alten Hasen“, als auch eine junge YL um ein Interview gebeten.

Ich habe zuerst Herbert, OE1HWS, dem Leiter der MetaFunk-Gruppe, ein paar Fragen gestellt:

Herbert, seit wann gibt es MetaFunk eigentlich und wie kam es dazu?

Herbert: Schon an der Gründung des Metalab 2006 waren Funkamateure beteiligt, allerdings noch nicht als Gruppe im Lab. Ham-Spirit, Interesse an Technik, eigenem Gestalten und Ausloten technischer Grenzen ist dem Amateurfunk immanent („experimenteller Funkdienst“) und damit der Hackerszene, die sich vorrangig mit neuen, digitalen Techniken beschäftigt, zumindest artverwandt.

Ab August 2009, im dritten Jahr des Wiener Metalab, gab es mit Gerhard, OE3GSU, erste Vorgespräche zu einem Amateurfunkkurs im Metalab. Anfang Oktober 2009 hielt Mike, OE3MZC (der Präsident des ÖVSV), einen Vortrag zu „Die Terra-Hertz Interessensgruppe“ über Funkexperimente mit Licht. Dabei gelang es ihm, Interesse für den Amateurfunk zu wecken. Mit optimaler Unterstützung durch den Landesverband Niederösterreich starteten wir kurz darauf den ersten MetaKurs.

Die erfolgreichen Absolventen dieses Kurses gründeten eine Ortsgruppe des LV3 des ÖVSV, den ADL319 „MetaFunk“.150px-MetaFunk_Logo MetaFunk entstand also als Folge unseres ersten Amateurfunkkurses Anfang des Jahres 2010.

Wie oft wurden schon Amateurfunkkurse im Metalab gehalten?

Herbert: Seit 2010 haben wir jährlich im Metalab einen Amateurfunkkurs organisiert, Interesse und Teilnahme sind unverändert hoch.

Wieviele haben bisher zur Lizenz gefunden?

Herbert: Bei den Kursen haben wir jeweils zwischen 11 und 18 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen. Leider nutzen dann nicht alle die Möglichkeiten, die ihnen die Lizenz bietet, d.h. nicht alle werden dann auch auf den Bändern aktiv…

Welchen Tip kannst du uns geben, wie man am besten einen Erstkontakt in einer solchen Einrichtung herstellt?

Herbert: Im Kalender eine interessante Veranstaltung finden und kommen, an einem Treffen teilnehmen (da kann man eventuell auch eigene Interessen und Projekte vorstellen), oder ganz einfach kommen und hemmungslos die Nächstbeste / den Nächstbesten um eine Führung / Einführung ersuchen.

Und wie hält man das Interesse „am Laufen“, so dass es nicht nur ein kurzes Strohfeuer bleibt?

Herbert: Immer wieder coole Ideen haben, mit Interesse und Achtung Anderen begegnen, Wissen und Erfahrung Anderer für die eigene Weiterentwicklung nutzen (wir alle sind nur Zwerge auf den Schultern von Riesen).

Dann habe ich Gudrun, OE1OMA, um ihre Sicht der Dinge gefragt:

Gudrun, wie fandest du deinen Weg zu MetaFunk und zur Amateurfunklizenz?

Gudrun: Mein 2-jähriger Elektronikkurs im Metalab war gerade in den letzten Zügen. Den Elektronikkurs hatte ich bereits mit dem Ziel gemacht, technische Allgemeinbildung (im Bereich Elektronik) aufzufrischen und auszuweiten, um konkrete eigene Projekte zu realisieren. Beim Amateurfunkkurs hatte ich die Hoffnung, noch mehr in die technische Breite zu gehen und einen konkreten „Dreh- und Angelpunkt“ für die Projekte zu bekommen. Das ist voll aufgegangen: Gerade habe ich 2 Morsetasten fertiggestellt und vorher eine Spannungsreduktion.

Aufmerksam geworden bin ich auf das Thema Amateurfunk, weil es den einleitenden Vortrag („Werbeveranstaltung“) der Vortragenden gab. Ich wollte einfach wissen, was „Funk“ eigentlich heißt und war fasziniert, wie viele Facetten (Betriebsarten + Ausleben des Hobbys) der Amateurfunk bietet. Außerdem war ich begeistert, daß man sich sozial einbringen kann, weil man im Not- und Katastrophenfall die Kommunikations-Infrastruktur zur Verfügung stellt. Da hab ich natürlich die Woche drauf „schnuppern“ müssen, ob der Kurs für mich passt, … und bin „hängengeblieben“. – Das habe ich nie bereut.

Den Kurs habe ich – trotz Studiumendphase – bis zum Ende durchgehalten und die Prüfung war durch die gute Vorbereitung im Kurs auch leicht zu schaffen.

Warum sind junge Leute so interessiert an Einrichtungen wie dem Metalab?

Gudrun: Das Metalab als Hackerspace bietet die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Man unterstützt sich gegenseitig und inspiriert sich, und es ist eine Community, in der es mir gut geht. Und es bietet eine reichhaltige Infrastruktur an Apparaten, mit denen man „anfassbare“ Projekte realisieren kann. Wenn ich elektronische Bauteile brauche und einen Lötkolben, ist einfach eh schon alles da 🙂

Es braucht für einige Leute aber etwas Zeit, in die Community hineinzuwachsen. Das Sozialverhalten im Metalab ist halt nicht gleich wie „auf der Straße“ draußen – mit Vor- und Nachteilen.

Welchen Tipp würdest du als noch ziemlich „Frischlizenzierte“ den älteren Amateurfunk-Kollegen geben, um jüngere Leute für das Hobby zu begeistern?

Gudrun: Lernt sie kennen und motiviert sie zu Projekten, die sie mit ihrem eigenen inhaltlichen, zeitlichen und finanziellen Background jetzt aktuell realistisch umsetzen können. Bleibt interessiert daran, gebt Ihnen Feedback und zeigt die Bereitschaft, hier und da einen „Schubser“ zu geben. – Mit eurem Hintergrund findet sich für jeden eine Möglichkeit für ein interessantes Projekt.

Dient ihnen als Wegweiser, wo sie welche Informationen, Materialien, Kontakte … finden können, die jetzt gerade wichtig sind. Bietet ihnen eventuell Material zum Selbstbaueinstieg an, das bei euch „schon seit Jahren“ nur „in der Bastelkiste herumkugelt“.

YL Gudrun, OE1OMA (das Rufzeichen täuscht! :-) ), mit ihrer selbstgebauten "Regenschirmantenne".
YL Gudrun, OE1OMA (das Rufzeichen täuscht! 🙂 ), mit ihrer selbstgebauten „Regenschirmantenne“.

Motiviert sie, QSOs zu fahren, indem ihr als Gegenstelle zur Verfügung steht und sie eventuell auf Newcomerevents aufmerksam macht. Borgt ihnen am besten gleich nach der Prüfung für 1-2 Wochen eine Handfunke, so dass sie in die Betriebstechnik einsteigen können. – Perfektionisten zerbrechen sich sonst möglicherweise monatelang den Kopf, welches Gerät für den Einstieg das beste wäre – und finden dann immer noch keine Antwort auf die Frage 😉

Schaut, wie ihr sie in die Community einbinden könnt! Stellt Kontakte her zu Erfahreneren mit ähnlichen Interessen, macht auf Flohmärkte und besondere Events aufmerksam, ladet sie zu Clubabenden ein, …

Was waren deine positivsten Erlebnisse als beginnende Funkamateurin?

Gudrun: Ich war begeistert, dass die Community im MetaFunk und dem ADL 101 (Landesverband Wien) mir den Einstieg so leicht gemacht hat: OE1HWS (Herbert) hat mir gleich ein Handfunkerl in die Hand gedrückt und mich dann mit einem FT817 versorgt. Die Nachteulenrunde hat mich innerhalb weniger Funkrunden voll integriert. Am Kahlenberg-Relais (Wiener Stadtrelais auf 70 cm mit Echolink-Anbindung) habe ich immer wen gefunden, der mir aktuelle technische Fragen beantworten konnte – auch wenn sie noch so einfach oder noch so umständlich formuliert waren 😉

Ich war urstolz, als ich mein erstes Bastelprojekt abgeschlossen hatte: Jetzt versorge ich den FT817 bereits seit Wochen mit einem Computernetzteil mit selbstgebauter Spannungsreduktion durch 3 Dioden.

Auch jede Bergaktivierung bei SOTA  – die ich gerne zusammen mit Anderen mache – ist ein rechtes Abenteuer mit „unterschiedlicher Besetzung“.

Und was waren die negativsten? Was „nervt“ an den alten Hasen manchmal?

Gudrun: Manchmal sind die alten Hasen in ihrer Begeisterung nicht zu bremsen, ihre Geschichten aus der Vergangenheit auszubreiten. Aber auch wenn ich dann mehr höre, als ich es erwartet hätte, lerne ich immer auch etwas daraus. Und man muss halt aufpassen, dass man nicht die erste Antwort auf eine technische Frage für die ultimative Antwort hält: 3 Funkamateure haben in der Regel 5 Antworten auf dieselbe Frage 🙂
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Funkamateur seit 1967 (Lizenzprüfung ohne Morsen) bzw. 1968 (Morseprüfung). 1st QSO 20.7.1968. Nach vielen sehr interessanten Berufsjahren in IT und Informationssicherheit (in sehr internationalem Umfeld) nun im Ruhestand, wo mehr Zeit bleibt für die diversen Hobbies. Neben dem Amateurfunk sind das u.a. Photographie, Malen, Singen, Reisen, Camping & Wandern.

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