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Störende Sender und was du dagegen tun kannst

Scan 144.0-146.0MHz

Hier im Blog steht schon einiges über den RTL-SDR und dessen Möglichkeiten. Betrachtet man nur dessen Empfangseigenschaften, dann ist man unter Umständen recht schnell enttäuscht, weil er eben doch recht stark auf Störungen reagiert. Hat man starke Sender in der Nähe, beispielsweise Mobilfunkmasten, Netzteile direkt am RTL-SDR oder auch die heimische Funkanlage, dann lernt leider in kürzester Zeit die Grenzen dieses Empfängerkonzepts kennen, welches ohne große Vorselektion auskommen muss und nahezu das gesamte Frequenzspektrum in seiner Hardware verarbeiten muss. Sieht man sich den Aufwand an, der für Filter in hochwertigen Funkgeräten und Empfängern betrieben wird, dann könnten wir unseren Billig-Empfänger direkt entsorgen.

Diejenigen, die viel auf der Kurzwelle als Hörer unterwegs waren, kennen das Problem, sobald sie einen Breitbandempfänger an eine leistungsstärkere Antenne anschließen. In den Abendstunden hat man dann auf 40m so überhaupt keinen Spaß mehr, es entstehen Geistersignale, die Empfindlichkeit ist nicht mehr so, wie man sie kennt und andere unschöne Effekte machen einem das Empfangen madig. Für den Kurzwellenempfang gibt es daher sogenannte Preselektoren, die mit mehreren Filtern bestückt sind und man den passenden Filter für den zu empfangenden Frequenzbereich schaltet. Für ein einzelnes Signal ist dabei natürlich ein Filter, welches so schmal wie möglich ist, also nur das eigentliche Nutzsignal durchlässt, und die anderen Signale so stark wie möglich dämpft, am besten. Zu haben sind solche Geräte auf dem Markt, und sie kosten oftmals gar nicht so arg viel Geld.

Für Frequenzen über 30 MHz, also die klassische Spielwiese des RTL-SDR, gibt es so etwas jedoch nicht fertig. Aus der Messtechnik gibt es durchaus Filter, zum Beispiel von Mini-Circuits. Will ich mich da aber beispielsweise nur für die Amateurfunkbänder im Frequenzbereich des RTL-SDR ausstatten, geht das ganz schön ins Geld. Man kann sich immer mal bei Ebay umsehen, aber das ist eben auch recht mühsam.

Solltet Ihr einen starken Sender in der Nähe stehen haben, gibt es eine kostengünstige Möglichkeit, die ich mal getestet habe.

Sehen wir uns erstmal den Störenfried an, der mir das Leben schwer gemacht hat:

Sender in direkter Nachbarschaft

Sender in direkter Nachbarschaft

Wir haben es hier also mit einem Sender zu tun, der ordentlich in den Empfänger einstrahlt. Wie vermutlich schon ein Teil von euch erraten hat, handelt es sich um eine TETRA-Basisstation des digitalen BOS-Funks. Was man hier noch wissen muss, der Sender sendet nur auf der markierten Frequenz. Bei einem perfekten Empfänger wäre also der gesamte Rest des Spektrums im dunkelblauen Bereich, weil dort nur der eine Sender empfangen werden konnte.

Glücklicherweise bin ich für weniger als 10 Euro an einen Diplexer gekommen. Das Teil ist im Prinzip eine Frequenzweiche, die einen Eingang und zwei Ausgänge hat. Konkret handelt es sich um dieses Teilchen von Panorama Antenna: DPX-210-270

Schließen wir die Antenne an den Eingang, bekommen wir zwei unterschiedlich gefilterte Signale am Ausgang, einmal von 50-210 MHz und einmal von 270-1000 MHz. Damit könnte man zumindest die höheren Frequenzen soweit dämpfen, dass der Empfänger mit etwas Glück auf 2m brauchbare Ergebnisse liefert.

Also habe ich das Ding mal an die Antenne angeschlossen, den Empfänger an den Ausgang mit dem Tiefpass gehängt und das gleiche Spektrum wie oben aufgezeichnet, um mal einen Vergleich herzustellen.

Frequenzspektrum nach dem Tiefpassfilter

Frequenzspektrum nach dem Tiefpassfilter

Das sieht doch schon mal gesünder aus. Mit der Software RTLSDR-Scanner, mit der alle hier gezeigten Bilder gemacht sind und die ich auch nochmal genauer beschreiben werde, kann man beide Scans miteinander vergleichen und dabei kommt folgendes raus:

Vergleich ohne Filter (blau) und mit Tiefpassfilter (grün)

Vergleich ohne Filter (blau) und mit Tiefpassfilter (grün)

Ich glaube, das spricht schon mal dafür, dass die Dämpfung dem Empfänger in diesem Bereich gut tut. Natürlich kann man auch einfach die Verstärkung runter regeln, aber ich will ja die volle Empfindlichkeit in anderen Frequenzbereichen nutzen. Also was bringt der Filter denn jetzt wirklich? Dazu habe ich einfach mal den UKW-Rundfunkbereich von 100 bis 105 MHz gescannt:

UKW-Rundfunkbereich ohne Filter

UKW-Rundfunkbereich ohne Filter

Hier sieht man mehrere Sender und die „Geistersignale“, die bei starken Sendern im Spektrum der SDR-Software bei den RTL-SDR immer auftauchen. Folgendes Bild ergibt sich mit eingeschleiftem Tiefpassfilter:

UKW-Rundfunkbereich mit Tiefpassfilter

UKW-Rundfunkbereich mit Tiefpassfilter

Sieht jetzt erstmal nicht so aus, als hätten wir so richtig viel gewonnen. Aber an der Markierung des stärksten Signals sieht man, dass dieses schon mal mit eingeschleiftem Filter um 3,5 dB höher liegt. Dabei muss man bedenken, dass ein Filter natürlich insgesamt für Verluste im kompletten Frequenzbereich sorgt, wobei der Hersteller hier von weniger als 1dB spricht.

Sehen wir uns doch mal den Sender am linken Rand des Spektrums im Detail mit dem Vergleichs-Tool an, welches ich oben schon benutzt habe. Dann ergibt sich folgendes Bild:

Der Sender am Anfang des Spektrums im Zoom, grün mit Tiefpassfilter, blau ohne Filter

Der Sender am Anfang des Spektrums im Zoom, grün mit Tiefpassfilter, blau ohne Filter

Wir sehen also, dass das Signal ohne Filter (blau) immerhin ca. 10 dB unter dem Signal mit Tiefpassfilter (grün) liegt. Und das ist doch schon mal ganz stattlich.

Problem bei meinem Messaufbau ist, dass der RTL-SDR im Rundfunkbereich auch wieder mit recht starken Sendern zu kämpfen hat. Um aber das 2m-Band wirklich miteinander vergleichen zu können, hätte ich ein paar konstante Signale gebraucht, die ich an diesem Standort in freier Wildbahn einfach nicht hatte. Daher blieb mir nur das Ausweichen auf Radiosender. Ich würde davon ausgehen, dass bei den deutlich niedrigeren Pegeln im Amateurfunk der positive Effekt auf 2m nochmal deutlich sein sollte.

Man sieht also, mit einem günstigen Filter lässt sich die Nutzbarkeit des RTL-SDR durchaus verbessern. Dazu gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, auch der Selbstbau soll hier nicht unter den Tisch fallen. Aber grundsätzlich wollte ich erstmal einen Weg beschreiben, den man gehen kann, um zumindest einen Teil der Störungen zu reduzieren.

Außerdem habt Ihr so schon mal gesehen, was es abseits der schon vorgestellten SDR-Software so an Software gibt, die sehr nette Möglichkeiten bietet. Wie oben schon geschrieben, ich werde diese nochmal genauer vorstellen.

Habt Ihr Anmerkungen oder Kritik zu dem Beitrag? Dann ab in die Kommentare damit!

über

Drückt sich seit Jahren vor der Lizenz, aber 2016 soll es endlich soweit sein. Besondere Interessen sind die Frequenzen oberhalb von 30 MHz und digitale Betriebsarten, dort hauptsächlich mit dem RTL-SDR unterwegs. Wenn Funk gerade eine geringere Rolle spielt, dann mit dem Rad oder zu Fuß in der Natur unterwegs und dem Fotoapparat im Schlepptau. Mehr auf Twitter: @kermit_t_f

5 Kommentare

  1. Pingback: Using filters to deal with interfering transmissions on the RTL-SDR - rtl-sdr.com

  2. Wenn man bedenkt, dass der RTL-SDR nur eine Bandbreite von zwei MHz gleichzeitig darstellen kann, ist es schon faszinierend was der RTLSDR-Scanner da rausholt.

  3. Pingback: Wochenrückblick KW 7 › HAMSPIRIT.DE

  4. english version?

  5. Eine am Ende offene lambda/4-Leitung (Koaxkabel) schafft bei nur einem starken „Störsender“ schnelle und kostengünstige Abhilfe.

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