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Erste Schritte auf DMR – mein Sprung ins kalte Wasser [Sponsored Post]

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, anhand eines Hytera PD685 meine ersten Schritte in der DMR-Welt zu unternehmen, und will hier meine Eindrücke und Erfahrungen berichten. Gleich vorweg: Ich werde hier nicht die Vor- und Nachteile digitaler Sprachkommunikation, die diversen Standards (DMR, D-Star, TETRA) oder ihre Rolle im Amateurfunk diskutieren. Da gäbe es zwar viel zu erzählen, aber das würde hier etwas vom Weg ab führen. Wer noch gar keine Ahnung hat, worum es bei DMR geht, der sei hier auf den in diesem Blog erschienenen Linktipp hingewiesen, der eine gut verständliche Einführung in das Thema DMR bietet, sowie auf den Verweis zur Infoseite zum deutschsprachigen Hytera HAM-DMR-Netz. Eine Vielzahl an Informationen finden sich auch im DMR-Wiki des ÖVSV. Zum Gerät selber werde ich in einem zweiten Beitrag meine Eindrücke schildern.

Das PD685 mit angeschraubtem Programmierkabel. Dieses hat einen Schalter, mit dem zwischen Upload neuer Firmware und Download/Upload des Codeplug umgeschaltet wird.
Das PD685 mit angeschraubtem Programmierkabel. Dieses hat einen Schalter, mit dem zwischen Upload neuer Firmware und Download/Upload des Codeplug umgeschaltet wird.

Hat man sein erstes DMR-Funkgerät endlich ausgepackt und den Akku geladen, geht es zuerst einmal ans Programmieren: Im Gegensatz zu analogen Funkgeräten geht ohne Programmieren nichts und die wichtigsten Parameter können auch nicht über das Menü des Funkgerätes programmiert werden, man braucht einen sogenannten “Codeplug”, d.h. eine Programmierung mit einer Software, die CPS genannt wird. Diese erhalten Sie natürlich von Ihrem Händler, aber das für das PD685 benötigte Programmierkabel PC45 muss separat gekauft werden, es ist nicht im normalen Lieferumfang enthalten.

Bevor man sich an die Installation eines Codeplug macht, sollte man zuerst sicherstellen, dass das Gerät über die aktuellste Firmware verfügt. Dazu gibt es ein eigenes Firmware-Update-Programm.

Das Hytera CPS verfügt über eine zeitgemäße Benutzeroberfläche, wenn auch die Dokumentation dazu etwas lückenhaft ist. Also habe ich ein wenig im Internet recherchiert und bin dabei auf einen Quick Reference Guide eines Funkamateurs gestoßen. Leider handelte es sich dabei nur um eine Screenshot-Sammlung, die nicht weiter hilfreich war.

Die Customer Programming Software (CPS)
Die Customer Programming Software (CPS)

Man muss sich schon anhand von diversen zusammengesuchten Quellen einlesen, um einen Ansatz für die Programmierung zu erhalten. Mit etwas Glück findet man im Internet einen Codeplug, der für die Repeater passend ist, die man im Umfeld hat. Man muss aber mindestens zwei Parameter ändern, bevor man das Gerät damit programmiert: Zunächst muss man eine individuelle DMR-ID eingeben, die jedes Gerät im weltweiten DMR-Netz identifiziert. Diese muss man über die jeweilige nationale Registrierungsstelle beantragen (hier die Adressen für Deutschland, Österreich und die Schweiz, über die man diese Registrierung online durchführen kann). Außerdem sollte man sein Call als Alias (im Format <Call> – <Vorname>) eintragen.

Über die Geräte-Info sieht man die programmierte DMR-ID und den dazugehörigen Aliaseintrag.
Über die Geräte-Info sieht man die programmierte DMR-ID und den dazugehörigen Aliaseintrag.

Für das Programmieren des Codeplugs muss man sich mit einer Reihe von Begriffen vertraut machen, da DMR wie andere Technologien auch seinen eigenen Jargon hat. Time Slot, Talk Group, Color Code sind ganz wesentliche Begriffe in der DMR-Welt. Mittels Zeitmultiplexverfahrens werden in jedem Kanal zwei Sprachkanäle genutzt, die völlig unabhängig voneinander benutzt werden können (die Kapazität der Repeater wird so verdoppelt) – das sind die Time Slots oder Zeitschlitze.

Die Talk Groups oder Sprechgruppen geben an, welche Repeater “zusammengeschaltet” werden, um so die Reichweite der möglichen Gespräche zu erhöhen – diese werden für jeden Timeslot extra festgelegt. Es ist also die Kombination aus TS (Timeslot) und TG (Talking Group), die festlegt, wo ich überall gehört werde. Diese TS-TG-Kombinationen werden international verbindlich festgelegt, weil es ja letztlich nur ein einziges weltweites DMR-Netz geben soll, mit dem alle DMR-Repeater untereinander verbunden sind. Auf TS1 sind u.a. definiert: TG1 – weltweit, TG2 – Europa, TG20 – Deutschland, Österreich, Schweiz sowie TGs für die einzelnen Länder: so etwa TG262 für Deutschland, TG232 für Österreich und TG228 für die Schweiz. Eine Liste aller Länder-TGs findet man z.B. auf der Schweizer DMR-Seite.

Station 1 spricht mit Station 3 auf Timeslot 1, Station 2 spricht mit Station 4 auf Timeslot 2. Station 3 und Station 4 können gleichzeitig und ungestört sprechen, obwohl sie dieselbe Frequenz und denselben Repeater benutzen!
Station 1 spricht mit Station 3 auf Timeslot 1, Station 2 spricht mit Station 4 auf Timeslot 2. Station 3 und Station 4 können gleichzeitig und ungestört sprechen, obwohl sie dieselbe Frequenz und denselben Repeater benutzen!

Auf TS2 ist vor allem TG9 interessant, das sind jeweils “lokale” Zusammenschlüsse von Repeatern, etwa innerhalb einer Großstadt. In manchen Ländern wird auch TG8 als Zusammenschluss einer “Region” benutzt. Achtung: benutzt man TS1/TG1, öffnet man weltweit ALLE DMR-Repeater gleichzeitig, also wohl mehrere hundert! Wir haben es in der Hand, ein paar 100 KW Hochfrequenz auf einmal (und möglicherweise sinnlos) zu verbraten! Für die ersten Schritte ist es wohl angebracht, sich einmal auf TS2/TG9 zu beschränken! 🙂

Der “Color Code” (Farbkodierung) ist schließlich vergleichbar mit dem CTCSS im analogen FM-Funk – jedes DMR-System ignoriert Aktivitäten, die den falschen Colorcode aufweisen – so können etwa Störungen bei Überreichweiten vermieden werden.

Die Programmierung eines “Channels” besteht also aus den Frequenzen des Repeaters (mit Offset für Senden und Empfangen, wie beim analogen Funk), dem Timeslot, der Talk Group und dem Color Code. Ich habe also immer mehrere Channels pro Repeater!

Die Channels werden schließlich zu “Zonen” zusammengefasst, die jeweils 16 Channels enthalten können. Vergleichbar ist dies mit Memory-Bänken bei analogen Funkgeräten.

Da digitale Funkgeräte nicht, wie analoge, über einen “VFO”-Mode verfügen (wo man schnell eine beliebige Frequenz einstellen kann), muss man alle interessanten Kanäle über den schon erwähnten “Codeplug” programmieren – auch die analogen Umsetzer und die gewünschten Simplexkanäle. Falls man mit seinem Funkgerät gerne mal auf Reisen geht, ist es dann kein Nachteil, wenn es über möglichst viele programmierbare Kanäle verfügt.

Falls man Kontakte programmiert hat, sieht man am Display, wer gerade spricht
Falls man Kontakte programmiert hat, sieht man am Display, wer gerade spricht

Schlussendlich kann man in seinem Funkgerät auch Kontakte programmieren – das ist im wesentlichen eine Liste von “Aliases”, also Zuordnungen von Rufzeichen und Vorname zu einer DMR-ID. Man sieht so am Display, wer gerade ruft, und nicht nur eine Nummer. Man könnte auch gezielt nur einen Kontakt anrufen, sozusagen ein “Privatgespräch” führen, was im Amateurfunk allerdings nicht gern gesehen wird.

Kontakte kann man nicht nur über die CPS, sondern auch direkt am Gerät definieren.
Kontakte kann man nicht nur über die CPS, sondern auch direkt am Gerät definieren.

Über “Kontakte” funktionieren allerdings auch sogenannte Reflektoren. Wie wir gesehen haben, kann man DX QSOs über Talk Groups fahren, was aber den Nachteil hat, dass da sehr schnell sehr, sehr viele Repeater (unnötig) belegt werden. Man hat also das Konzept der Reflektoren (auch “Gesprächsräume” genannt) eingeführt, bei dem einzelne Repeater bei Bedarf miteinander gekoppelt werden (Analogfunker kennen das Konzept vielleicht von Echolink). Diese Gesprächsräume sind in DMR als Kontakte definiert, und ich “rufe” einen solchen “Kontakt” durch kurzes Drücken der PTT-Taste, wodurch mein Repeater mit dem Gesprächsraum verbunden wird, den ich erreichen will. Von da an kann ich ganz normal über TS2/TG9 mein QSO fahren. Die Zuordnung des Repeaters zu einem Reflektor wird nach einem gewissen Timeout wieder gelöst.

Nachdem das soweit klar war, konnte ich – ausgehend von einem vorgefertigten Codeplug – das Funkgerät soweit programmieren, dass erste QSOs möglich waren. Es gibt allerdings noch eine ganze Reihe weiterer Funktionen, die ich bislang noch nicht ausprobiert bzw. noch nicht durchschaut habe – etwa das Senden von Textnachrichten, oder was genau die Scan-Funktion macht. Ein anderer Bereich, mit dem ich mich bisher nicht näher befasst habe, ist das “Roaming”. In Österreich wird dies nicht unterstützt, da die Repeater dazu praktisch immer hochgetastet sein müssen, damit die Endgeräte wissen, wie groß die Feldstärken der einzelnen Repeater sind, um dann den bestmöglichen auszuwählen. Ich weiß nicht, wie weit dies in anderen Ländern unterstützt wird.

Wie man sieht, sind durchaus einige Hürden zu überspringen, bevor man mit einem DMR-Funkgerät sein erstes QSO absolvieren kann! Das Zusammensuchen der benötigten Informationen aus diversen Quellen ist zeitaufwendig, und so würde ich allen Einsteigern empfehlen, sich einen erfahrenen OM als “Buddy” zu suchen, der diesen Prozess sicher enorm beschleunigen kann! Für Ortsverbände und Vereine würde ich empfehlen, bei vorhandenem Interesse “DMR Codeplug Parties” zu veranstalten (ich kenne Vergleichbares von “Linux Installationsparties”) – so macht das Erstinstallieren (oder auch das Updaten) eines Codeplugs mehr Spass, und die Ergebnisse werden mit Sicherheit besser sein!

Codeplug Party am OV Abend?
DMR Codeplug Party am OV Abend?!

Zum Abschluss noch eine Übersicht einiger Begriffe, die in der DMR Welt wichtig sind :

  • CPS (Customer Programming Software): Software (für Windows) zum Programmieren des Funkgeräts.
  • Codeplug: Die Gesamtheit aller programmierbaren Einstellungen des Funkgeräts. Der Codeplug wird mithilfe der CPS erstellt bzw. bearbeitet und auf das Gerät geladen.
  • DMR-ID: Eindeutige Identifikation des Funkgeräts im weltweiten DMR-Netz. Die ersten 3 Ziffern bezeichnen das Land (entsprechend der ITU Empfehlung für Mobilfunk), die weiteren Ziffern das registrierte Gerät in dem betreffenden Land. Muss unbedingt beantragt und einprogrammiert werden, sonst gibt es Störungen!
  • Alias: Ein Alias ist eine zusätzliche Information zur DMR-ID. Im Amateurfunk verwendet man dafür Rufzeichen und Vorname.
  • Kontakt: Eine Liste von Kontakten (bestehend aus den Alias Informationen) kann ins Gerät eingespeichert werden, damit man am Display erkennt, wer gerade spricht, bzw. damit man einen Kontakt direkt anrufen kann.
  • Time Slot: Das Zeitmultiplex-Verfahren von DMR bietet 2 unabhängige Sprachkanäle auf einer Frequenz, diese werden Time Slots genannt.
  • Talk Group: Repeater werden über sogenannte Talk Groups zusammengeschaltet, dies geschieht individuell für jeden der beiden Time Slots. Die Talk Group definiert also, wo mein Signal überall gehört wird.
  • Color Code: Ein Selektionsverfahren, vergleichbar dem CTCSS im Analogfunk. Wird derzeit noch nicht sehr häufig verwendet.
  • Channel: Definiert durch die Angabe von Sende- und Empfangsfrequenz (für den Repeater), Time Slot, Talk Group und Color Code. Man wird in der Regel eine ganze Reihe von Channels für jeden Repeater programmieren!
  • Zone: Bis zu 16 Channels können in einer Zone zusammengefasst werden, vergleichbar der Memory Bank im Analogfunk.
  • Reflektor: Zusammenschaltung individueller Repeater zu einem “Sprachraum”, ähnlich wie bei Echolink. Da ich meinen Repeater temporär mit einem Reflektor verbinden kann, können DX Verbindungen durchgeführt werden, die nicht wie bei den Talk Groups eine große Zahl von Repeatern verknüpfen, sondern im Wesentlichen nur jene, die für das Gespräch benötigt werden.

Funkamateur seit 1967 (Lizenzprüfung ohne Morsen) bzw. 1968 (Morseprüfung). 1st QSO 20.7.1968. Nach vielen sehr interessanten Berufsjahren in IT und Informationssicherheit (in sehr internationalem Umfeld) nun im Ruhestand, wo mehr Zeit bleibt für die diversen Hobbies. Neben dem Amateurfunk sind das u.a. Photographie, Malen, Singen, Reisen, Camping & Wandern.

5 Kommentare zu “Erste Schritte auf DMR – mein Sprung ins kalte Wasser [Sponsored Post]

  1. Pingback: Hytera MD785 – Ein robustes Mobilfunkgerät für DMR-Enthusiasten [Sponsored Post] › HAMSPIRIT.DE

  2. Danke für die sehr interessante Info. Seit ein paar Tagen übe ich mich in der Bedienung des EURON TH-D70E mit Motorola-Technik. Digital komme ich damit noch nicht in die Luft. Ich finde keine Möglichkeit, die gewünschte Talkgroup einzugeben. Geht das über die DTMF-Tastatur bei gedrückter PTT? Oder geht das irgendwo Im Codeplug(CPS)? Dafür finde ich bis-lang kein Feld…
    73 via wire de Helmut, DL6KS/AG4LE im G23; DMR-ID 2634303

  3. Hallo.

    toller Bericht. Macht Lust zu lesen und wenn ich könnte auch auszuprobieren.

    Gruß Markus

  4. Danke, ein sehr informativer Beitrag. Bin am überlegen ob ich mir auch ein DMR Gerät zulege.

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